Lutherbibel 1912
Apostelgeschichte 26
1Agrippa aber sprach zu Paulus : es ist dir erlaubt , für dich zu reden . Da reckte Paulus die Hand aus und verantwortete sich :
2Es ist mir sehr lieb , König Agrippa , daß ich mich heute vor dir verantworten soll über alles , dessen ich von den Juden beschuldigt werde ;
3allermeist weil du weißt alle Sitten und Fragen der Juden . Darum bitte ich dich , du wollest mich geduldig hören .
4Zwar mein Leben von Jugend auf, wie das von Anfang unter diesem Volk zu Jerusalem zugebracht ist, wissen alle Juden ,
5die mich von Anbeginn gekannt haben, wenn sie es wollten bezeugen . Denn ich bin ein Pharisäer gewesen , welches ist die strengste Sekte unseres Gottesdienstes .
6Und nun stehe ich und werde angeklagt über die Hoffnung auf die Verheißung , so geschehen ist von Gott zu unsern Vätern ,
7zu welcher hoffen die zwölf Geschlechter der Unsern zu kommen mit Gottesdienst emsig Tag und Nacht . Dieser Hoffnung halben werde ich, König Agrippa , von den Juden beschuldigt .
8Warum wird das für unglaublich bei euch geachtet , das Gott Tote auferweckt ?
9Zwar meinte ich auch bei mir selbst , ich müßte viel zuwider tun dem Namen Jesu von Nazareth ,
10wie ich denn auch zu Jerusalem getan habe , da ich viele Heilige in das Gefängnis verschloß , darüber ich Macht von den Hohenpriestern empfing ; und wenn sie erwürgt wurden , half ich das Urteil sprechen .
11Und durch alle Schulen peinigte ich sie oft und zwang sie zu lästern ; und war überaus unsinnig auf sie , verfolgte sie auch bis in die fremden Städte .
12Über dem , da ich auch gen Damaskus reiste mit Macht und Befehl von den Hohenpriestern ,
13sah ich mitten am Tage , o König , auf dem Wege ein Licht vom Himmel , heller denn der Sonne Glanz , das mich und die mit mir reisten , umleuchtete .
14Da wir aber alle zur Erde niederfielen , hörte ich eine Stimme reden zu mir , die sprach auf hebräisch : Saul , Saul , was verfolgst du mich ? Es wird dir schwer sein, wider den Stachel zu lecken .
15Ich aber sprach : HERR , wer bist du ? Er sprach : Ich bin Jesus , den du verfolgst ; aber stehe auf und tritt auf deine Füße .
16Denn dazu bin ich dir erschienen , daß ich dich ordne zum Diener und Zeugen des , das du gesehen hast und das ich dir noch will erscheinen lassen;
17und ich will dich erretten von dem Volk und von den Heiden , unter welche ich dich jetzt sende ,
18aufzutun ihre Augen , daß sie sich bekehren von der Finsternis zu dem Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott , zu empfangen Vergebung der Sünden und das Erbe samt denen , die geheiligt werden durch den Glauben an mich .
19Daher , König Agrippa , war ich der himmlischen Erscheinung nicht ungläubig ,
20sondern verkündigte zuerst denen zu Damaskus und Jerusalem und in alle Gegend des jüdischen Landes und auch der Heiden , daß sie Buße täten und sich bekehrten zu Gott und täten rechtschaffene Werke der Buße .
21Um deswillen haben mich die Juden im Tempel gegriffen und versuchten , mich zu töten .
22Aber durch Hilfe Gottes ist es mir gelungen und stehe ich bis auf diesen Tag und zeuge beiden , dem Kleinen und Großen , und sage nichts außer dem , was die Propheten gesagt haben , daß es geschehen sollte , und Mose :
23daß Christus sollte leiden und der erste sein aus der Auferstehung von den Toten und verkündigen ein Licht dem Volk und den Heiden .
24Da er aber solches zur Verantwortung gab , sprach Festus mit lauter Stimme : Paulus , du rasest ! Die große Kunst macht dich rasend .
25Er aber sprach : Mein teurer Festus , ich rase nicht , sondern rede wahre und vernünftige Worte .
26Denn der König weiß solches wohl , zu welchem ich freudig rede . Denn ich achte , ihm sei der keines verborgen ; denn solches ist nicht im Winkel geschehen .
27Glaubst du, König Agrippa , den Propheten ? Ich weiß , daß du glaubst .
28Agrippa aber sprach zu Paulus : Es fehlt nicht viel , du überredest mich , daß ich ein Christ würde .
29Paulus aber sprach : Ich wünschte vor Gott , es fehle nun an viel oder an wenig, daß nicht allein du , sondern alle , die mich heute hören , solche würden , wie ich bin , ausgenommen diese Bande .
30Und da er das gesagt , stand der König auf und der Landpfleger und Bernice und die die mit ihnen saßen,
31und wichen beiseits , redeten miteinander und sprachen : Dieser Mensch hat nichts getan, das des Todes oder der Bande wert sei.
32Agrippa aber sprach zu Festus : Dieser Mensch hätte können losgegeben werden , wenn er sich nicht auf den Kaiser berufen hätte .