Lutherbibel 1912
Esther 1
1Zu den Zeiten Ahasveros ( der da König war von Indien bis an Mohrenland über hundert und siebenundzwanzig Länder )
2und da er auf seinem königlichen Stuhl saß zu Schloß Susan ,
3im dritten Jahr seines Königreichs , machte er bei sich ein Mahl allen seinen Fürsten und Knechten , den Gewaltigen in Persien und Medien , den Landpflegern und Obersten in seinen Ländern ,
4daß er sehen ließe den herrlichen Reichtum seines Königreichs und die köstliche Pracht seiner Majestät viele Tage lang, hundert und achtzig Tage .
5Und da die Tage aus waren , machte der König ein Mahl allem Volk , das zu Schloß Susan war , Großen und Kleinen , sieben Tage lang im Hofe des Gartens am Hause des Königs .
6Da hingen weiße , rote und blaue Tücher, mit leinenen und scharlachnen Seilen gefaßt, in silbernen Ringen auf Marmorsäulen . Die Bänke waren golden und silbern auf Pflaster von grünem , weißem , gelbem und schwarzen Marmor .
7Und das Getränk trug man in goldenen Gefäßen und immer andern und andern Gefäßen , und königlichen Wein die Menge , wie denn der König vermochte .
8Und man setzte niemand , was er trinken sollte ; denn der König hatte allen Vorstehern befohlen , daß ein jeglicher sollte tun , wie es ihm wohl gefiel.
9Und die Königin Vasthi machte auch ein Mahl für die Weiber im königlichen Hause des Königs Ahasveros .
10Und am siebenten Tage , da der König gutes Muts war vom Wein , hieß er Mehuman , Bistha , Harbona , Bigtha , Abagtha , Sethar und Charkas , die sieben Kämmerer , die vor dem König Ahasveros dienten ,
11daß sie die Königin Vasthi holten vor den König mit der königlichen Krone , daß er den Völkern und Fürsten zeigte ihre Schöne ; denn sie war schön .
12Aber die Königin Vasthi wollte nicht kommen nach dem Wort des Königs durch seine Kämmerer . Da ward der König sehr zornig , und sein Grimm entbrannte in ihm.
13Und der König sprach zu den Weisen , die sich auf die Zeiten verstanden ( denn des Königs Sachen mußten geschehen vor allen , die sich auf Recht und Händel verstanden ;
14die nächsten aber die bei ihm waren Charsena , Sethar , Admatha , Tharsis , Meres , Marsena und Memuchan , die sieben Fürsten der Perser und Meder , die das Angesicht des Königs sahen und saßen obenan im Königreich ),
15was für ein Recht man an der Königin Vasthi tun sollte , darum daß sie nicht getan hatte nach dem Wort des Königs durch seine Kämmerer .
16Da sprach Memuchan vor dem König und den Fürsten : Die Königin Vasthi hat nicht allein an dem König übel getan , sondern auch an allen Fürsten und an allen Völkern in allen Landen des Königs Ahasveros .
17Denn es wird solche Tat der Königin auskommen zu allen Weibern , daß sie ihre Männer verachten vor ihren Augen und werden sagen : Der König Ahasveros hieß die Königin Vasthi vor sich kommen ; aber sie wollte nicht .
18So werden nun die Fürstinnen in Persien und Medien auch so sagen zu allen Fürsten des Königs , wenn sie solche Tat der Königin hören ; so wird sich Verachtens und Zorn genug erheben.
19Gefällt es dem König , so lasse man ein königlich Gebot von ihm ausgehen und schreiben nach der Perser und Meder Gesetz , welches man nicht darf übertreten : daß Vasthi nicht mehr vor den König Ahasveros komme , und der König gebe ihre königliche Würde einer andern , die besser ist denn sie.
20Und es erschalle dieser Befehl des Königs , den er geben wird , in sein ganzes Reich , welches groß ist, daß alle Weiber ihre Männer in Ehren halten , unter Großen und Kleinen .
21Das gefiel dem König und den Fürsten ; und der König tat nach dem Wort Memuchans .
22Da wurden Briefe ausgesandt in alle Länder des Königs , in ein jegliches Land nach seiner Schrift und zu jeglichem Volk nach seiner Sprache : daß ein jeglicher Mann der Oberherr in seinem Hause sei und ließe reden nach der Sprache seines Volkes .