Lutherbibel 1912
Jesaja 10
1Weh den Schriftgelehrten , die ungerechte Gesetze machen und die unrechtes Urteil schreiben ,
2auf daß sie die Sache der Armen beugen und Gewalt üben am Recht der Elenden unter meinem Volk , daß die Witwen ihr Raub und die Waisen ihre Beute sein müssen !
3Was wollt ihr tun am Tage der Heimsuchung und des Unglücks , das von fern kommt ? Zu wem wollt ihr fliehen um Hilfe ? Und wo wollt ihr eure Ehre lassen ,
4daß sie nicht unter die Gefangenen gebeugt werde und unter die Erschlagenen falle ? In dem allem läßt sein Zorn nicht ab , seine Hand ist noch ausgereckt .
5O weh Assur , der meines Zornes Rute und in dessen Hand meines Grimmes Stecken ist!
6Ich will ihn senden gegen ein Heuchelvolk und ihm Befehl tun gegen das Volk meines Zorns , daß er' s beraube und austeile und zertrete es wie Kot auf der Gasse ,
7wiewohl er's nicht so meint und sein Herz nicht so denkt ; sondern sein Herz steht, zu vertilgen und auszurotten nicht wenig Völker .
8Denn er spricht : Sind meine Fürsten nicht allzumal Könige ?
9Ist Kalno nicht wie Karchemis ? ist Hamath nicht wie Arpad ? ist nicht Samaria wie Damaskus ?
10Wie meine Hand gefunden hat die Königreiche der Götzen , so doch ihre Götzen stärker waren , denn die zu Jerusalem und Samaria sind :
11sollte ich nicht Jerusalem tun und ihren Götzen , wie ich Samaria und ihren Götzen getan habe ?
12Wenn aber der Herr all sein Werk ausgerichtet hat auf dem Berge Zion und zu Jerusalem , will ich heimsuchen die Frucht des Hochmuts des Königs von Assyrien und die Pracht seiner Hoffärtigen Augen ,
13darum daß er spricht : Ich habe es durch meiner Hände Kraft ausgerichtet und durch meine Weisheit , denn ich bin klug ; ich habe die Länder anders geteilt und ihr Einkommen geraubt und wie ein Mächtiger die Einwohner zu Boden geworfen ,
14und meine Hand hat gefunden die Völker wie ein Vogelnest , daß ich habe alle Lande zusammengerafft , wie man Eier aufrafft , die verlassen sind , da keines eine Feder regt oder den Schnabel aufsperrt oder zischt .
15Mag sich auch eine Axt rühmen gegen den, der damit haut ? oder eine Säge trotzen gegen den, der sie zieht ? Als ob die Rute schwänge den der sie hebt ; als ob der Stecken höbe den , der kein Holz ist !
16Darum wird der HERR Herr Zebaoth unter die Fetten Assurs die Darre senden , und seine Herrlichkeit wird er anzünden , daß sie brennen wird wie ein Feuer .
17Und das Licht Israels wird ein Feuer sein, und sein Heiliger wird eine Flamme sein, und sie wird seine Dornen und Hecken anzünden und verzehren auf einen Tag .
18Und die Herrlichkeit seines Waldes und seines Baumgartens soll zunichte werden , von den Seelen bis aufs Fleisch , und wird zergehen und verschwinden ,
19daß die übrigen Bäume seines Waldes können gezählt werden und ein Knabe sie kann aufschreiben .
20Zu der Zeit werden die Übriggebliebenen in Israel und die errettet werden im Hause Jakob , sich nicht mehr verlassen auf den, der sie schlägt ; sondern sie werden sich verlassen auf den HERRN , den Heiligen in Israel , in der Wahrheit .
21Die Übriggebliebenen werden sich bekehren , ja, die Übriggebliebenen in Jakob , zu Gott , dem Starken .
22Denn ob dein Volk , o Israel , ist wie Sand am Meer , sollen doch nur seine Übriggebliebenen bekehrt werden . Denn Verderben ist beschlossen ; und die Gerechtigkeit kommt überschwenglich .
23Denn der Herr HERR Zebaoth wird ein Verderben gehen lassen , wie beschlossen ist , im ganzen Lande .
24Darum spricht der Herr HERR Zebaoth : Fürchte dich nicht, mein Volk , das zu Zion wohnt , vor Assur . Er wird dich mit einem Stecken schlagen und seinen Stab wider dich aufheben , wie in Ägypten geschah .
25Denn es ist noch gar um ein kleines zu tun, so wird die Ungnade und mein Zorn über ihre Untugend ein Ende haben .
26Alsdann wird der HERR Zebaoth eine Geißel über ihn erwecken wie in der Schlacht Midians auf dem Fels Oreb und wird seinen Stab , den er am Meer brauchte, aufheben wie in Ägypten .
27Zu der Zeit wird seine Last von deiner Schulter weichen müssen und sein Joch von deinem Halse ; denn das Joch wird bersten vor dem Fett .
28Er kommt gen Ajath ; er zieht durch Migron ; er mustert sein Gerät zu Michmas .
29Sie ziehen durch den engen Weg , bleiben in Geba über Nacht . Rama erschrickt ; Gibea Sauls flieht .
30Du Tochter Gallim , schreie laut ! merke auf , Laisa , du elendes Anathoth !
31Madmena weicht ; die Bürger zu Gebim werden flüchtig .
32Man bleibt vielleicht einen Tag zu Nob , so wird er seine Hand regen wider den Berg der Tochter Zion , wider den Hügel Jerusalems .
33Aber siehe, der HERR HERR Zebaoth wird die Äste mit Macht verhauen , und was hoch aufgerichtet steht, verkürzen , daß die Hohen erniedrigt werden .
34Und der Dicke Wald wird mit Eisen umgehauen werden, und der Libanon wird fallen durch den Mächtigen .