Lutherbibel 1912
Jesaja 16
1Schickt dem Landesherrn Lämmer von Sela aus der Wüste zum Berge der Tochter Zion !
2Aber wie ein Vogel dahinfliegt , der aus dem Nest getrieben wird, so werden sein die Töchter Moabs in den Furten des Arnon .
3“ Sammelt Rat , haltet Gericht , mache deinen Schatten des Mittags wie die Nacht ; verbirg die Verjagten , und melde die Flüchtlinge nicht!
4Laß meine Verjagten bei dir herbergen ; sei du für Moab ein Schirm vor dem Verstörer , so wird der Dränger ein Ende haben, der Verstörer aufhören und der Untertreter ablassen im Lande .”
5Es wird aber ein Stuhl bereitet werden aus Gnaden , daß einer darauf sitze in der Wahrheit, in der Hütte Davids , und richte und trachte nach Recht und fördere Gerechtigkeit .
6Wir hören aber von dem Hochmut Moabs , daß er gar groß ist , daß auch ihr Hochmut , Stolz und Zorn größer ist denn ihre Macht .
7Darum wird ein Moabiter über den andern heulen ; allesamt werden sie Heulen . Über die Grundfesten der Stadt Kir- Hareseth werden sie seufzen , ganz zerschlagen .
8Denn Hesbon ist ein wüstes Feld geworden ; der Weinstock zu Sibma ist verderbt; die Herren unter den Heiden haben seine edlen Reben zerschlagen , die da reichten bis gen Jaser und sich zogen in die Wüste ; ihre Schößlinge sind zerstreut und über das Meer geführt .
9Darum weine ich um Jaser und um den Weinstock zu Sibma und vergieße viel Tränen um Hesbon und Eleale . Denn es ist ein Gesang in deinen Sommer und in deine Ernte gefallen ,
10daß Freude und Wonne im Felde aufhört , und in den Weinbergen jauchzt noch ruft man nicht . Man keltert keinen Wein in den Keltern ; ich habe dem Gesang ein Ende gemacht .
11Darum rauscht mein Herz über Moab wie eine Harfe und mein Inwendiges über Kir- Heres .
12Alsdann wird's offenbar werden , wie Moab müde ist bei den Altären und wie er zu seinem Heiligtum gegangen sei, zu beten , und doch nichts ausgerichtet habe .
13Das ist' s , was der HERR dazumal gegen Moab geredet hat .
14Nun aber redet der HERR und spricht : In drei Jahren , wie eines Tagelöhners Jahre sind, wird die Herrlichkeit Moabs gering werden bei all seiner großen Menge , daß gar wenig übrigbleibe und nicht viel .