Lutherbibel 1912
Jesaja 29
1Weh Ariel , Ariel , du Stadt des Lagers Davids ! Füget Jahr zu Jahr und feiert die Feste ;
2dann will ich den Ariel ängsten , daß er traurig und voll Jammers sei ; und er soll mir ein rechter Ariel sein .
3Denn ich will dich belagern ringsumher und will dich ängsten mit Bollwerk und will Wälle um dich aufführen lassen .
4Alsdann sollst du erniedrigt werden und aus der Erde reden und aus dem Staube mit deiner Rede murmeln , daß deine Stimme sei wie eines Zauberers aus der Erde und deine Rede aus dem Staube wispele .
5Aber die Menge deiner Feinde soll werden wie dünner Staub und die Menge der Tyrannen wie wehende Spreu ; und das soll plötzlich unversehens geschehen.
6Denn vom HERRN Zebaoth wird Heimsuchung geschehen mit Wetter und Erdbeben und großem Donner , mit Windwirbel und Ungewitter und mit Flammen des verzehrenden Feuers .
7Und wie ein Nachtgesicht im Traum , so soll sein die Menge aller Heiden , die wider Ariel streiten , samt allem Heer und Bollwerk , und die ihn ängsten .
8Denn gleichwie einem Hungrigen träumt , daß er esse , wenn er aber aufwacht , so ist seine Seele noch leer ; und wie einem Durstigen träumt , daß er trinke , wenn er aber aufwacht , ist er matt und durstig : also soll sein die Menge aller Heiden , die wider den Berg Zion streiten .
9Erstarret und werdet bestürzt , verblendet euch und werdet blind ! Werdet trunken , doch nicht vom Wein , taumelt , doch nicht von starkem Getränk !
10Denn der HERR hat euch einen Geist des harten Schlafs eingeschenkt und eure Augen zugetan ; eure Propheten und Fürsten samt den Sehern hat er verhüllt ,
11daß euch aller Propheten Gesichte sein werden wie die Worte eines versiegelten Buches , welches man gäbe einem, der lesen kann , und spräche : Lies doch das! und er spräche : Ich kann nicht , denn es ist versiegelt ;
12oder gleich als wenn man' s gäbe dem, der nicht lesen kann , und spräche : Lies doch das! und er spräche : Ich kann nicht lesen .
13Und der Herr spricht : Darum daß dies Volk zu mir naht mit seinem Munde und mit seinen Lippen mich ehrt , aber ihr Herz fern von mir ist und sie mich fürchten nach Menschengeboten , die sie lehren :
14so will ich auch mit diesem Volk wunderlich umgehen , aufs wunderlichste und seltsamste , daß die Weisheit seiner Weisen untergehe und der Verstand seiner Klugen verblendet werde .
15Weh , die verborgen sein wollen vor dem HERRN , ihr Vornehmen zu verhehlen , und ihr Tun im Finstern halten und sprechen : Wer sieht uns, und wer kennt uns?
16Wie seid ihr so verkehrt ! Gleich als wenn des Töpfers Ton gedächte und ein Werk spräche von seinem Meister : Er hat mich nicht gemacht ! und ein Gemächte spräche von seinem Töpfer : Er kennt mich nicht!
17Wohlan, es ist noch um ein klein wenig zu tun, so soll der Libanon ein Feld werden , und das Feld soll wie ein Wald geachtet werden .
18Und zu derselben Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches , und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen ,
19und die Elenden werden wieder Freude haben am HERRN , und die Armen unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels ,
20wenn die Tyrannen ein Ende haben und es mit den Spöttern aus sein wird und vertilgt sein werden alle die , so wachen , Mühsal anzurichten ,
21welche die Leute sündigen machen durchs Predigen und stellen dem nach , der sie straft im Tor , und stürzen durch Lügen den Gerechten .
22Darum spricht der HERR , der Abraham erlöst hat , zum Hause Jakob also: Jakob soll nicht mehr zu Schanden werden , und sein Antlitz soll sich nicht mehr schämen .
23Denn wenn sie sehen werden ihre Kinder , die Werke meiner Hände unter ihnen , werden sie meinen Namen heiligen und werden den Heiligen in Jakob heiligen und den Gott Israels fürchten .
24Denn die, so irrigen Geist haben, werden Verstand annehmen , und die Schwätzer werden sich lehren lassen .