Lutherbibel 1912
Jesaja 38
1Zu der Zeit ward Hiskia todkrank . Und der Prophet Jesaja , der Sohn des Amoz , kam zu ihm und sprach zu ihm: So spricht der HERR : Bestelle dein Haus ; denn du wirst sterben und nicht lebendig bleiben !
2Da wandte Hiskia sein Angesicht zur Wand und betete zum HERRN
3und sprach : Gedenke doch , HERR , wie ich vor dir gewandelt habe in der Wahrheit , mit vollkommenem Herzen , und habe getan , was dir gefallen hat . Und Hiskia weinte sehr .
4Da geschah das Wort des HERRN zu Jesaja und sprach :
5Gehe hin und sage Hiskia : So spricht der HERR , der Gott deines Vaters David : Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen . Siehe, ich will deinen Tagen noch fünfzehn Jahre zulegen
6und will dich samt dieser Stadt erretten von der Hand des Königs von Assyrien ; denn ich will diese Stadt wohl verteidigen .
7Und habe dir das zum Zeichen von dem HERRN , daß der HERR solches tun wird , was er geredet hat :
8Siehe ich will den Schatten am Sonnenzeiger des Ahas zehn Stufen zurückziehen , über welche er gelaufen ist . Und die Sonne lief zehn Stufen zurück am Zeiger , über welche sie gelaufen war .
9Dies ist die Schrift Hiskias , des Königs in Juda , da er krank gewesen und von der Krankheit geheilt worden war .
10Ich sprach : Nun muß ich zu der Höllen Pforten fahren in der Mitte meines Lebens , da ich gedachte , noch länger zu leben .
11Ich sprach : Nun werde ich nicht mehr sehen den HERRN , ja, den HERRN im Lande der Lebendigen ; nun werde ich nicht mehr schauen die Menschen bei denen , die ihre Zeit leben .
12Meine Zeit ist dahin und von mir weggetan wie eines Hirten Hütte . Ich reiße mein Leben ab wie ein Weber ; er bricht mich ab wie einen dünnen Faden ; du machst's mit mir ein Ende den Tag vor Abend .
13Ich dachte : Möchte ich bis morgen Leben! Aber er zerbrach mir alle meine Gebeine wie ein Löwe ; denn du machst es mit mir aus den Tag vor Abend .
14Ich winselte wie ein Kranich und wie eine Schwalbe und girrte wie eine Taube ; meine Augen wollten mir brechen: HERR , ich leide Not ; lindere mir' s !
15Was soll ich reden ? Er hat mir's zugesagt und hat's auch getan ! Ich werde in Demut wandeln all meine Lebtage nach solcher Betrübnis meiner Seele .
16Herr , davon lebt man , und das Leben meines Geistes steht ganz darin; denn du ließest mich wieder stark werden und machtest mich leben .
17Siehe, um Trost war mir sehr bange . Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen , daß sie nicht verdürbe ; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück .
18Denn die Hölle lobt dich nicht ; so rühmt dich der Tod nicht , und die in die Grube fahren , warten nicht auf deine Wahrheit ;
19sondern allein , die da leben , loben dich , wie ich jetzt tue . Der Vater wird den Kindern deine Wahrheit kundtun .
20HERR , hilf mir , so wollen wir meine Lieder singen , solange wir leben , im Hause des HERRN !
21Und Jesaja hieß , man sollte ein Pflaster von Feigen nehmen und auf seine Drüse legen , daß er gesund würde .
22Hiskia aber sprach : Welch ein Zeichen ist das, daß ich hinauf zum Hause des HERRN soll gehen !