Lutherbibel 1912
Jesaja 42
1Siehe, das ist mein Knecht , ich erhalte ihn, und mein Auserwählter , an welchem meine Seele Wohlgefallen hat . Ich habe ihm meinen Geist gegeben ; er wird das Recht unter die Heiden bringen .
2Er wird nicht schreien noch rufen , und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen .
3Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen , und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen . Er wird das Recht wahrhaftig halten lehren .
4Er wird nicht matt werden noch verzagen , bis daß er auf Erden das Recht anrichte ; und die Inseln werden auf sein Gesetz warten .
5So spricht Gott , der HERR , der die Himmel schafft und ausbreitet , der die Erde macht und ihr Gewächs , der dem Volk , so darauf ist, den Odem gibt , und den Geist denen , die darauf gehen :
6Ich der HERR habe dich gerufen in Gerechtigkeit und habe dich bei deiner Hand gefaßt und habe dich behütet und habe dich zum Bund unter das Volk gegeben , zum Licht der Heiden ,
7daß du sollst öffnen die Augen der Blinden und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen , und die da sitzen in der Finsternis , aus dem Kerker .
8Ich, der HERR , das ist mein Name ; und will meine Ehre keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen .
9Siehe, was ich zuvor habe verkündigt , ist gekommen ; so verkündige ich auch Neues ; ehe denn es aufgeht , lasse ich's euch hören .
10Singet dem HERRN ein neues Lied , seinen Ruhm an der Welt Ende , die auf dem Meer fahren und was darinnen ist , die Inseln und die darin wohnen !
11Rufet laut, ihr Wüsten und die Städte darin samt den Dörfern , da Kedar wohnt ; es sollen jauchzen , die in den Felsen wohnen , und rufen von den Höhen der Berge !
12Lasset sie dem HERRN die Ehre geben und seinen Ruhm in den Inseln verkündigen .
13Der HERR wird ausziehen wie ein Riese ; er wird den Eifer aufwecken wie ein Kriegsmann ; er wird jauchzen und tönen ; er wird seinen Feinden obliegen .
14Ich schweige wohl eine Zeitlang und bin still und halte an mich ; nun aber will wie eine Gebärerin schreien ; ich will sie verwüsten und alle verschlingen .
15Ich will Berge und Hügel verwüsten und all ihr Gras verdorren und will die Wasserströme zu Inseln machen und die Seen austrocknen .
16Aber die Blinden will ich auf dem Wege leiten , den sie nicht wissen ; ich will sie führen auf den Steigen , die sie nicht kennen ; ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerichte zur Ebene . Solches will ich ihnen alles tun und sie nicht verlassen .
17Aber die sich auf Götzen verlassen und sprechen zum gegossenen Bilde : Ihr seid unsre Götter ! die sollen zurückkehren und zu Schanden werden .
18Höret , ihr Tauben , und schauet her , ihr Blinden , daß ihr sehet !
19Wer ist so blind wie mein Knecht , und wer ist so taub wie mein Bote , den ich sende ? Wer ist so blind wie der Vollkommene und so blind wie der Knecht des HERRN ?
20Man predigt wohl viel , aber sie halten' s nicht; man sagt ihnen genug , aber sie wollen's nicht hören .
21Der HERR wollte ihnen wohl um seiner Gerechtigkeit willen, daß er das Gesetz herrlich und groß mache .
22Aber es ist ein beraubtes und geplündertes Volk ; sie sind allzumal verstrickt in Höhlen und versteckt in Kerkern ; sie sind zum Raube geworden, und ist kein Erretter da ; geplündert , und ist niemand, der da sage : Gib wieder her !
23Wer ist unter euch, der solches zu Ohren nehme , der aufmerke und höre , was hernach kommt?
24Wer hat Jakob übergeben zu plündern und Israel den Räubern ? Hat's nicht der HERR getan, an dem wir gesündigt haben , und sie wollten auf seinen Wegen nicht wandeln und gehorchten seinem Gesetz nicht ?
25Darum hat er über sie ausgeschüttet den Grimm seines Zorns und eine Kriegsmacht ; und hat sie umher angezündet , aber sie merken' s nicht; und hat sie angebrannt , aber sie nehmen' s nicht zu Herzen .