Lutherbibel 1912
Jesaja 64
1Ach daß du den Himmel zerrissest und führest herab , daß die Berge vor dir zerflössen , wie ein heißes Wasser vom heftigen Feuer versiedet ,
2[1b] daß dein Name kund würde unter deinen Feinden und die Heiden vor dir zittern müßten ,
3durch die Wunder , die du tust , deren man sich nicht versieht , daß du herabführest und die Berge vor dir zerflössen !
4Wie denn von der Welt her nicht vernommen ist noch mit Ohren gehört, auch kein Auge gesehen hat einen Gott außer dir, der so wohltut denen, die auf ihn harren .
5Du begegnest dem Fröhlichen und denen, so Gerechtigkeit übten und auf deinen Wegen dein gedachten . Siehe, du zürntest wohl , da wir sündigten und lange darin blieben ; uns ward aber dennoch geholfen .
6Aber nun sind wir allesamt wie die Unreinen , und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein unflätig Kleid . Wir sind alle verwelkt wie die Blätter , und unsre Sünden führen uns dahin wie Wind .
7Niemand ruft deinen Namen an oder macht sich auf , daß er sich an dich halte ; denn du verbirgst dein Angesicht vor uns und lässest uns in unsern Sünden verschmachten .
8Aber nun, HERR , du bist unser Vater ; wir sind der Ton , du bist der Töpfer ; und wir alle sind deiner Hände Werk .
9HERR , zürne nicht zu sehr und denke nicht ewig der Sünde . Siehe doch das an , daß wir alle dein Volk sind .
10Die Städte deines Heiligtums sind zur Wüste geworden; Zion ist zur Wüste geworden , Jerusalem liegt zerstört .
11Das Haus unsrer Heiligkeit und Herrlichkeit , darin dich unsre Väter gelobt haben, ist mit Feuer verbrannt ; und alles, was wir Schönes hatten , ist zu Schanden gemacht.
12HERR , willst du so hart sein zu solchem und schweigen und uns so sehr niederschlagen ?