Lutherbibel 1912
Jeremia 4
1Willst du dich, Israel , bekehren , spricht der HERR , so bekehre dich zu mir. Und so du deine Greuel wegtust von meinem Angesicht , so sollst du nicht vertrieben werden .
2Alsdann wirst du ohne Heuchelei recht und heilig schwören : So wahr der HERR lebt ! und die Heiden werden in ihm gesegnet werden und sich sein rühmen .
3Denn so spricht der HERR zu denen in Juda und zu Jerusalem : Pflügt ein Neues und säet nicht unter die Hecken .
4Beschneidet euch dem HERRN und tut weg die Vorhaut eures Herzens , ihr Männer in Juda und ihr Leute zu Jerusalem , auf daß nicht mein Grimm ausfahre wie Feuer und brenne , daß niemand löschen könne , um eurer Bosheit willen.
5Verkündiget in Juda und schreiet laut zu Jerusalem und sprecht : “ Blaset die Drommete im Lande !” Ruft mit voller Stimme und sprecht : “Sammelt euch und laßt uns in die festen Städte ziehen !”
6Werft zu Zion ein Panier auf; flieht und säumt nicht ! Denn ich bringe ein Unglück herzu von Mitternacht und einen großen Jammer .
7Es fährt daher der Löwe aus seiner Hecke , und der Verstörer der Heiden zieht einher aus seinem Ort , daß er dein Land verwüste und deine Städte ausbrenne , daß niemand darin wohne .
8Darum ziehet Säcke an, klaget und heulet ; denn der grimmige Zorn des HERRN will sich nicht wenden von uns .
9Zu der Zeit , spricht der HERR , wird dem König und den Fürsten das Herz entfallen ; die Priester werden bestürzt und die Propheten erschrocken sein .
10Ich aber sprach : Ach Herr HERR ! du hast's diesem Volk und Jerusalem weit fehlgehen lassen , da sie sagten : “Es wird Friede mit euch sein”, so doch das Schwert bis an die Seele reicht .
11Zu derselben Zeit wird man diesem Volk und Jerusalem sagen : “Es kommt ein dürrer Wind über das Gebirge her aus der Wüste , des Weges zu der Tochter meines Volks , nicht zum Worfeln noch zu Schwingen .”
12Ja, ein Wind kommt , der ihnen zu stark sein wird; da will ich denn auch mit ihnen rechten .
13Siehe, er fährt daher wie Wolken , und seine Wagen sind wie Sturmwind , seine Rosse sind schneller denn Adler . Weh uns! wir müssen verstört werden .”
14So wasche nun, Jerusalem , dein Herz von der Bosheit , auf daß dir geholfen werde . Wie lange wollen bei dir bleiben deine leidigen Gedanken ?
15Denn es kommt ein Geschrei von Dan her und eine böse Botschaft vom Gebirge Ephraim .
16Saget an den Heiden , verkündiget in Jerusalem , daß Hüter kommen aus fernen Landen und werden schreien wider die Städte Juda' s .
17Sie werden sich um sie her lagern wie die Hüter auf dem Felde ; denn sie haben mich erzürnt , spricht der HERR .
18Das hast du zum Lohn für dein Wesen und dein Tun . Dann wird dein Herz fühlen , wie deine Bosheit so groß ist.
19Wie ist mir so herzlich weh ! Mein Herz pocht mir im Leibe , und habe keine Ruhe ; denn meine Seele hört der Posaunen Hall und eine Feldschlacht
20und einen Mordschrei über den andern ; denn das ganze Land wird verheert , plötzlich werden meine Hütten und meine Gezelte verstört .
21Wie lange soll ich doch das Panier sehen und der Posaune Hall hören ?
22Aber mein Volk ist toll , und sie glauben mir nicht ; töricht sind sie und achten's nicht . Weise sind sie genug, Übles zu tun ; aber wohltun wollen sie nicht lernen.
23Ich schaute das Land an, siehe, das war wüst und öde , und den Himmel , und er war finster.
24Ich sah die Berge an , und siehe, die bebten , und alle Hügel zitterten .
25Ich sah , und siehe, da war kein Mensch , und alle Vögel unter dem Himmel waren weggeflogen .
26Ich sah , und siehe, das Gefilde war eine Wüste ; und alle Städte darin waren zerbrochen vor dem HERRN und vor seinem grimmigen Zorn .
27Denn so spricht der HERR : Das ganze Land soll wüst werden, und ich will's doch nicht gar aus machen .
28Darum wird das Land betrübt und der Himmel droben traurig sein ; denn ich habe es geredet , ich habe es beschlossen , und es soll mich nicht reuen , will auch nicht davon ablassen .
29Aus allen Städten werden sie vor dem Geschrei der Reiter und Schützen fliehen und in die dicken Wälder laufen und in die Felsen kriechen ; alle Städte werden verlassen stehen, daß niemand darin wohnt .
30Was willst du alsdann tun , du Verstörte ? Wenn du dich schon mit Purpur kleiden und mit goldenen Kleinoden schmücken und dein Angesicht schminken würdest , so schmückst du dich doch vergeblich ; die Buhlen werden dich verachten , sie werden dir nach dem Leben trachten .
31Denn ich höre ein Geschrei als einer Gebärerin , eine Angst als einer, die in den ersten Kindesnöten ist , ein Geschrei der Tochter Zion , die da klagt und die Hände auswirft : “ Ach , wehe mir ! Ich muß fast vergehen vor den Würgern .”