Lutherbibel 1912
Johannes 1
1Im Anfang war das Wort , und das Wort war bei Gott , und Gott war das Wort .
2Dasselbe war im Anfang bei Gott .
3Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht , und ohne dasselbe ist nichts gemacht , was gemacht ist .
4In ihm war das Leben , und das Leben war das Licht der Menschen .
5Und das Licht scheint in der Finsternis , und die Finsternis hat' s nicht begriffen .
6Es ward ein Mensch von Gott gesandt , der hieß Johannes .
7Dieser kam zum Zeugnis , daß er von dem Licht zeugte , auf daß sie alle durch ihn glaubten .
8Er war nicht das Licht , sondern daß er zeugte von dem Licht .
9Das war das wahrhaftige Licht , welches alle Menschen erleuchtet , die in diese Welt kommen .
10Es war in der Welt , und die Welt ist durch dasselbe gemacht ; und die Welt kannte es nicht .
11Er kam in sein Eigentum ; und die Seinen nahmen ihn nicht auf .
12Wie viele ihn aber aufnahmen , denen gab er Macht , Kinder Gottes zu werden , die an seinen Namen glauben ;
13welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes , sondern von Gott geboren sind .
14Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns , und wir sahen seine Herrlichkeit , eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater , voller Gnade und Wahrheit .
15Johannes zeugt von ihm , ruft und spricht : Dieser war es , von dem ich gesagt habe : Nach mir wird kommen , der vor mir gewesen ist ; denn er war eher als ich .
16Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade .
17Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben ; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden .
18Niemand hat Gott je gesehen ; der eingeborene Sohn , der in des Vaters Schoß ist , der hat es uns verkündigt .
19Und dies ist das Zeugnis des Johannes , da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten , daß sie ihn fragten : Wer bist du ?
20Und er bekannte und leugnete nicht ; und er bekannte : Ich bin nicht Christus .
21Und sie fragten ihn : Was denn ? Bist du Elia ? Er sprach : Ich bin' s nicht . Bist du der Prophet ? Und er antwortete : Nein !
22Da sprachen sie zu ihm : Was bist du denn? Daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben . Was sagst du von dir selbst ?
23Er sprach : Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste : Richtet den Weg des HERRN ! wie der Prophet Jesaja gesagt hat .
24Und die gesandt waren , die waren von den Pharisäern .
25Und sie fragten ihn und sprachen zu ihm : Warum taufst du denn , so du nicht Christus bist noch Elia noch der Prophet ?
26Johannes antwortete ihnen und sprach : Ich taufe mit Wasser ; aber er ist mitten unter euch getreten , den ihr nicht kennt .
27Der ist' s , der nach mir kommen wird , welcher vor mir gewesen ist , des ich nicht wert bin , daß ich seine Schuhriemen auflöse .
28Dies geschah zu Bethabara jenseit des Jordans , wo Johannes taufte .
29Des andern Tages sieht Johannes Jesum zu ihm kommen und spricht : Siehe , das ist Gottes Lamm , welches der Welt Sünde trägt !
30Dieser ist' s , von dem ich gesagt habe : Nach mir kommt ein Mann , welcher vor mir gewesen ist ; denn er war eher denn ich .
31Und ich kannte ihn nicht ; sondern auf daß er offenbar würde in Israel , darum bin ich gekommen , zu taufen mit Wasser .
32Und Johannes zeugte und sprach : Ich sah , daß der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm .
33Und ich kannte ihn nicht ; aber der mich sandte , zu taufen mit Wasser , der sprach zu mir : Auf welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben , der ist' s , der mit dem heiligen Geist tauft .
34Und ich sah es und zeugte , daß dieser ist Gottes Sohn .
35Des andern Tages stand abermals Johannes und zwei seiner Jünger .
36Und als er Jesum sah wandeln , sprach er : Siehe , das ist Gottes Lamm !
37Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesu nach .
38Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen : Was suchet ihr ? Sie aber sprachen zu ihm : Meister , wo bist du zur Herberge ?
39Er sprach zu ihnen : Kommt und sehet' s ! Sie kamen und sahen' s und blieben den Tag bei ihm . Es war aber um die zehnte Stunde .
40Einer aus den zweien , die von Johannes hörten und Jesus nachfolgten , war Andreas , der Bruder des Simon Petrus .
41Der findet am ersten seinen Bruder Simon und spricht zu ihm : Wir haben den Messias gefunden ( welches ist verdolmetscht : der Gesalbte ),
42und führte ihn zu Jesu . Da ihn Jesus sah , sprach er : Du bist Simon , Jona' s Sohn ; du sollst Kephas ( Fels ) heißen .
43Des andern Tages wollte Jesus wieder nach Galiläa ziehen und findet Philippus und spricht zu ihm : Folge mir nach !
44Philippus aber war von Bethsaida , aus der Stadt des Andreas und Petrus .
45Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm : Wir haben den gefunden , von welchem Moses im Gesetz und die Propheten geschrieben haben , Jesum , Joseph' s Sohn von Nazareth .
46Und Nathanael sprach zu ihm : Was kann von Nazareth Gutes kommen ? Philippus spricht zu ihm : Komm und sieh es!
47Jesus sah Nathanael zu sich kommen und spricht von ihm : Siehe , ein rechter Israeliter , in welchem kein Falsch ist .
48Nathanael spricht zu ihm : Woher kennst du mich ? Jesus antwortete und sprach zu ihm : Ehe denn dich Philippus rief , da du unter dem Feigenbaum warst , sah ich dich .
49Nathanael antwortete und spricht zu ihm : Rabbi , du bist Gottes Sohn , du bist der König von Israel !
50Jesus antwortete und sprach zu ihm : Du glaubst , weil ich dir gesagt habe , daß ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum ; du wirst noch Größeres denn das sehen .
51Und spricht zu ihm : Wahrlich , wahrlich ich sage euch : Von nun an werdet ihr den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf und herab fahren auf des Menschen Sohn .