Lutherbibel 1912
Johannes 7
1Darnach zog Jesus umher in Galiläa ; denn er wollte nicht in Judäa umherziehen , darum daß ihm die Juden nach dem Leben stellten .
2Es war aber nahe der Juden Fest , die Laubhütten .
3Da sprachen seine Brüder zu ihm : Mache dich auf von dannen und gehe nach Judäa , auf daß auch deine Jünger sehen , die Werke die du tust .
4Niemand tut etwas im Verborgenen und will doch frei offenbar sein . Tust du solches , so offenbare dich vor der Welt .
5Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn .
6Da spricht Jesus zu ihnen : Meine Zeit ist noch nicht hier ; eure Zeit aber ist allewege .
7Die Welt kann euch nicht hassen ; mich aber haßt sie , denn ich zeuge von ihr , daß ihre Werke böse sind .
8Gehet ihr hinauf auf dieses Fest ; ich will noch nicht hinaufgehen auf dieses Fest , den meine Zeit ist noch nicht erfüllt .
9Da er aber das zu ihnen gesagt , blieb er in Galiläa .
10Als aber seine Brüder waren hinaufgegangen , da ging er auch hinauf zu dem Fest , nicht offenbar , sondern wie heimlich .
11Da suchten ihn die Juden am Fest und sprachen : Wo ist der ?
12Und es war ein großes Gemurmel unter dem Volk . Etliche sprachen : Er ist fromm ; die andern aber sprachen : Nein , er verführt das Volk .
13Niemand aber redete frei von ihm um der Furcht willen vor den Juden .
14Aber mitten im Fest ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte .
15Und die Juden verwunderten sich und sprachen : Wie kann dieser die Schrift , so er sie doch nicht gelernt hat?
16Jesus antwortete ihnen und sprach : Meine Lehre ist nicht mein , sondern des, der mich gesandt hat.
17So jemand will des Willen tun , der wird innewerden , ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede .
18Wer von sich selbst redet , der sucht seine eigene Ehre ; wer aber sucht die Ehre des, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig , und ist keine Ungerechtigkeit an ihm .
19Hat euch nicht Mose das Gesetz gegeben ? und niemand unter euch tut das Gesetz . Warum sucht ihr mich zu töten ?
20Das Volk antwortete und sprach : Du hast den Teufel ; wer versucht dich zu töten ?
21Jesus antwortete und sprach : Ein einziges Werk habe ich getan , und es wundert euch alle .
22Mose hat euch darum gegeben die Beschneidung , nicht daß sie von Mose kommt , sondern von den Vätern , und ihr beschneidet den Menschen am Sabbat .
23So ein Mensch die Beschneidung annimmt am Sabbat , auf daß nicht das Gesetz Mose' s gebrochen werde , zürnet ihr denn über mich , daß ich den ganzen Menschen habe am Sabbat gesund gemacht ?
24Richtet nicht nach dem Ansehen , sondern richtet ein rechtes Gericht .
25Da sprachen etliche aus Jerusalem : Ist das nicht der , den sie suchten zu töten ?
26Und siehe zu , er redet frei , und sie sagen nichts . Erkennen unsere Obersten nun gewiß , daß er gewiß Christus sei ?
27Doch wir wissen , woher dieser ist ; wenn aber Christus kommen wird, so wird niemand wissen , woher er ist .
28Da rief Jesus im Tempel und sprach : Ja , ihr kennet mich und wisset , woher ich bin ; und von mir selbst bin ich nicht gekommen , sondern es ist ein Wahrhaftiger , der mich gesandt hat , welchen ihr nicht kennet .
29Ich kenne ihn aber ; denn ich bin von ihm , und er hat mich gesandt .
30Da suchten sie ihn zu greifen ; aber niemand legte die Hand an ihn , denn seine Stunde war noch nicht gekommen .
31Aber viele vom Volk glaubten an ihn und sprachen : Wenn Christus kommen wird, wird er auch mehr Zeichen tun , denn dieser tut ?
32Und es kam vor die Pharisäer , daß das Volk solches von ihm murmelte . Da sandten die Pharisäer und Hohenpriester Knechte aus, das sie ihn griffen .
33Da sprach Jesus zu ihnen : Ich bin noch eine kleine Zeit bei euch , und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat.
34Ihr werdet mich suchen , und nicht finden ; und wo ich bin , könnet ihr nicht hin kommen .
35Da sprachen die Juden untereinander : Wo soll dieser hin gehen , daß wir ihn nicht finden sollen? Will er zu den Zerstreuten unter den Griechen gehen und die Griechen lehren ?
36Was ist das für eine Rede, daß er sagte : “Ihr werdet mich suchen , und nicht finden ; und wo ich bin , da könnet ihr nicht hin kommen ”?
37Aber am letzten Tage des Festes , der am herrlichsten war, trat Jesus auf , rief und sprach : Wen da dürstet , der komme zu mir und trinke !
38Wer an mich glaubt , wie die Schrift sagt , von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen.
39Das sagte er aber von dem Geist , welchen empfangen sollten , die an ihn glaubten; denn der Heilige Geist war noch nicht da, denn Jesus war noch nicht verklärt .
40Viele nun vom Volk , die diese Rede hörten , sprachen : Dieser ist wahrlich der Prophet .
41Andere sprachen : Er ist Christus . Etliche aber sprachen : Soll Christus aus Galiläa kommen ?
42Spricht nicht die Schrift : von dem Samen Davids und aus dem Flecken Bethlehem , da David war , soll Christus kommen ?
43Also ward eine Zwietracht unter dem Volk über ihn .
44Es wollten aber etliche ihn greifen ; aber niemand legte die Hand an ihn .
45Die Knechte kamen zu den Hohenpriestern und Pharisäern ; und sie sprachen zu ihnen : Warum habt ihr ihn nicht gebracht ?
46Die Knechte antworteten : Es hat nie ein Mensch also geredet wie dieser Mensch .
47Da antworteten ihnen die Pharisäer : Seid ihr auch verführt ?
48Glaubt auch irgendein Oberster oder Pharisäer an ihn ?
49sondern das Volk , das nichts vom Gesetz weiß , ist verflucht .
50Spricht zu ihnen Nikodemus , der bei der Nacht zu ihm kam , welcher einer unter ihnen war :
51Richtet unser Gesetz auch einen Menschen , ehe man ihn verhört und erkennt , was er tut ?
52Sie antworteten und sprachen zu ihm : Bist du auch ein Galiläer ? Forsche und siehe , aus Galiläa steht kein Prophet auf.
53Und ein jeglicher ging also heim .