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Lutherbibel 1912

Lukas 11

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1Und es begab sich , daß er war an einem Ort und betete . Und da er aufgehört hatte , sprach seiner Jünger einer zu ihm : HERR , lehre uns beten , wie auch Johannes seine Jünger lehrte .

2Und er sprach zu ihnen : Wenn ihr betet , so sprecht : Unser Vater im Himmel , dein Name werde geheiligt . Dein Reich komme . Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel .

3Gib uns unser täglich Brot immerdar .

4Und vergib uns unsre Sünden , denn auch wir vergeben allen , die uns schuldig sind . Und führe uns nicht in Versuchung , sondern erlöse uns von dem Übel .

5Und er sprach zu ihnen : Welcher ist unter euch , der einen Freund hat und ginge zu ihm zu Mitternacht und spräche zu ihm : Lieber Freund , leihe mir drei Brote ;

6denn es ist mein Freund zu mir gekommen von der Straße , und ich habe nicht , was ich ihm vorlege ;

7und er drinnen würde antworten und sprechen : Mache mir keine Unruhe ! die Tür ist schon zugeschlossen , und meine Kindlein sind bei mir in der Kammer ; ich kann nicht aufstehen und dir geben .

8Ich sage euch : Und ob er nicht aufsteht und gibt ihm , darum daß er sein Freund ist , so wird er doch um seines unverschämten Geilens willen aufstehen und ihm geben , wieviel er bedarf .

9Und ich sage euch auch: Bittet , so wird euch gegeben ; suchet , so werdet ihr finden ; klopfet an , so wird euch aufgetan .

10Denn wer da bittet , der nimmt ; und wer da sucht , der findet ; und wer da anklopft , dem wird aufgetan .

11Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater ums Brot , der ihm einen Stein dafür biete ? und , so er um einen Fisch bittet, der ihm eine Schlange für den Fisch biete ?

12oder , so er um ein Ei bittet , der ihm einen Skorpion dafür biete ?

13So denn ihr , die ihr arg seid , könnet euren Kindern gute Gaben geben , wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten !

14Und er trieb einen Teufel aus , der war stumm . Und es geschah , da der Teufel ausfuhr , da redete der Stumme . Und das Volk verwunderte sich .

15Etliche aber unter ihnen sprachen : Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub , den Obersten der Teufel .

16Die andern aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel .

17Er aber erkannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen : Ein jeglich Reich , so es mit sich selbst uneins wird , das wird wüst ; und ein Haus fällt über das andere .

18Ist denn der Satanas auch mit sich selbst uneins , wie will sein Reich bestehen ? dieweil ihr sagt , ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub .

19So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe , durch wen treiben sie eure Kinder aus ? Darum werden sie eure Richter sein .

20So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe , so kommt ja das Reich Gottes zu euch .

21Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahrt , so bleibt das seine mit Frieden .

22Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn , so nimmt er ihm seinen Harnisch , darauf er sich verließ , und teilt den Raub aus .

23Wer nicht mit mir ist , der ist wider mich ; und wer nicht mit mir sammelt , der zerstreut .

24Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfährt , so durchwandelt er dürre Stätten , sucht Ruhe und findet sie nicht , so spricht er : Ich will wieder umkehren in mein Haus , daraus ich gegangen bin .

25Und wenn er kommt , so findet er' s gekehrt und geschmückt .

26Dann geht er hin und nimmt sieben Geister zu sich , die ärger sind denn er selbst ; und wenn sie hineinkommen , wohnen sie da , und es wird hernach mit demselben Menschen ärger denn zuvor .

27Und es begab sich , da er solches redete , erhob ein Weib im Volk die Stimme und sprach zu ihm : Selig ist der Leib , der dich getragen hat , und die Brüste , die du gesogen hast .

28Er aber sprach : Ja , selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren .

29Das Volk aber drang hinzu . Da fing er an und sagte : Dies ist eine arge Art ; sie begehrt ein Zeichen , und es wird ihr kein Zeichen gegeben denn nur das Zeichen des Propheten Jona .

30Denn wie Jona ein Zeichen war den Niniviten , also wird des Menschen Sohn sein diesem Geschlecht .

31Die Königin von Mittag wird auftreten vor dem Gericht mit den Leuten dieses Geschlechts und wird sie verdammen ; denn sie kam von der Welt Ende , zu hören die Weisheit Salomos . Und siehe , hier ist mehr denn Salomo .

32Die Leute von Ninive werden auftreten vor dem Gericht mit diesem Geschlecht und werden' s verdammen ; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona . Und siehe , hier ist mehr denn Jona .

33Niemand zündet ein Licht an und setzt es an einen heimlichen Ort , auch nicht unter einen Scheffel , sondern auf den Leuchter , auf daß , wer hineingeht , das Licht sehe .

34Das Auge ist des Leibes Licht . Wenn nun dein Auge einfältig ist , so ist dein ganzer Leib licht ; so aber dein Auge ein Schalk ist , so ist auch dein Leib finster .

35So schaue darauf , daß nicht das Licht in dir Finsternis sei .

36Wenn nun dein Leib ganz licht ist , daß er kein Stück von Finsternis hat , so wird er ganz licht sein , wie wenn ein Licht mit hellem Blitz dich erleuchtet .

37Da er aber in der Rede war , bat ihn ein Pharisäer , daß er mit ihm das Mittagsmahl äße . Und er ging hinein und setzte sich zu Tische .

38Da das der Pharisäer sah , verwunderte er sich , daß er sich nicht vor dem Essen gewaschen hätte .

39Der HERR aber sprach zu ihm : Ihr Pharisäer haltet die Becher und Schüsseln auswendig reinlich, aber euer Inwendiges ist voll Raubes und Bosheit .

40Ihr Narren , meinet ihr, daß es inwendig rein sei , wenn' s auswendig rein ist ?

41Doch gebt Almosen von dem, was da ist , siehe , so ist' s euch alles rein .

42Aber weh euch Pharisäern , daß ihr verzehnt die Minze und Raute und allerlei Kohl , und geht vorbei an dem Gericht und an der Liebe Gottes ! Dies sollte man tun und jenes nicht lassen .

43Weh euch Pharisäern , daß ihr gerne obenan sitzt in den Schulen und wollt gegrüßt sein auf dem Markte .

44Weh euch , Schriftgelehrte und Pharisäer , ihr Heuchler , daß ihr seid wie die verdeckten Totengräber , darüber die Leute laufen , und kennen sie nicht !

45Da antwortete einer von den Schriftgelehrten und sprach zu ihm : Meister , mit den Worten schmähst du uns auch .

46Er aber sprach : Und weh auch euch Schriftgelehrten ! denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten , und ihr rührt sie nicht mit einem Finger an.

47Weh euch ! denn ihr baut der Propheten Gräber ; eure Väter aber haben sie getötet .

48So bezeugt ihr und willigt in eurer Väter Werke ; denn sie töteten sie , so baut ihr ihre Gräber .

49Darum spricht die Weisheit Gottes : Ich will Propheten und Apostel zu ihnen senden , und derselben werden sie etliche töten und verfolgen ;

50auf daß gefordert werde von diesem Geschlecht aller Propheten Blut , das vergossen ist , seit der Welt Grund gelegt ist ,

51von Abels Blut an bis auf das Blut des Zacharias , der umkam zwischen dem Altar und Tempel . Ja , ich sage euch : Es wird gefordert werden von diesem Geschlecht .

52Weh euch Schriftgelehrten ! denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen . Ihr kommt nicht hinein und wehret denen, die hinein wollen .

53Da er aber solches zu ihnen sagte , fingen an die Schriftgelehrten und Pharisäer , hart auf ihn zu dringen und ihm mit mancherlei Fragen zuzusetzen ,

54und lauerten auf ihn und suchten , ob sie etwas erjagen könnten aus seinem Munde , daß sie eine Sache wider ihn hätten .

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