Lutherbibel 1912
Lukas 14
1Und es begab sich , daß er kam in ein Haus eines Obersten der Pharisäer an einem Sabbat , das Brot zu essen ; und sie hatten acht auf ihn .
2Und siehe , da war ein Mensch vor ihm , der war wassersüchtig .
3Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprach : Ist's auch recht , am Sabbat zu heilen ?
4Sie aber schwiegen still . Und er griff ihn an und heilte ihn und ließ ihn gehen .
5Und antwortete und sprach zu ihnen : Welcher ist unter euch , dem sein Ochse oder Esel in den Brunnen fällt , und der nicht alsbald ihn herauszieht am Sabbattage ?
6Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben .
7Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen , da er merkte , wie sie erwählten obenan zu sitzen , und sprach zu ihnen :
8Wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit , so setze dich nicht obenan , daß nicht etwa ein Vornehmerer denn du von ihm geladen sei ,
9und dann komme , der dich und ihn geladen hat , und spreche zu dir : Weiche diesem ! und du müssest dann mit Scham untenan sitzen .
10Sondern wenn du geladen wirst , so gehe hin und setze dich untenan , auf daß , wenn da kommt , der dich geladen hat , er spreche zu dir : Freund , rücke hinauf ! Dann wirst du Ehre haben vor denen , die mit dir am Tische sitzen .
11Denn wer sich selbst erhöht , der soll erniedrigt werden ; und wer sich selbst erniedrigt , der soll erhöht werden .
12Er sprach auch zu dem, der ihn geladen hatte : Wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machst , so lade nicht deine Freunde noch deine Brüder noch deine Gefreunden noch deine Nachbarn , die da reich sind, auf daß sie dich nicht etwa wieder laden und dir vergolten werde .
13Sondern wenn du ein Mahl machst , so lade die Armen , die Krüppel , die Lahmen , die Blinden ,
14so bist du selig ; denn sie haben' s dir nicht zu vergelten , es wird dir aber vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten .
15Da aber solches hörte einer , der mit zu Tische saß , sprach er zu ihm : Selig ist, der das Brot ißt im Reiche Gottes .
16Er aber sprach zu ihm : Es war ein Mensch , der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu .
17Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls , zu sagen den Geladenen : Kommt , denn es ist alles bereit !
18Und sie fingen an , alle nacheinander, sich zu entschuldigen . Der erste sprach zu ihm : Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen ; ich bitte dich , entschuldige mich .
19Und der andere sprach : Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft , und ich gehe jetzt hin , sie zu besehen ; ich bitte dich , entschuldige mich .
20Und der dritte sprach : Ich habe ein Weib genommen , darum kann ich nicht kommen .
21Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder . Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte : Gehe aus schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein .
22Und der Knecht sprach : Herr , es ist geschehen , was du befohlen hast ; es ist aber noch Raum da .
23Und der Herr sprach zu dem Knechte : Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen , auf das mein Haus voll werde .
24Ich sage euch aber , daß der Männer keiner , die geladen waren mein Abendmahl schmecken wird .
25Es ging aber viel Volks mit ihm ; und er wandte sich und sprach zu ihnen :
26So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater , Mutter , Weib , Kinder , Brüder , Schwestern , auch dazu sein eigen Leben , der kann nicht mein Jünger sein .
27Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt , der kann nicht mein Jünger sein .
28Wer ist aber unter euch , der einen Turm bauen will , und sitzt nicht zuvor und überschlägt die Kosten , ob er's habe , hinauszuführen ?
29auf daß nicht , wo er Grund gelegt hat und kann' s nicht hinausführen , alle , die es sehen , fangen an , sein zu spotten ,
30und sagen : Dieser Mensch hob an zu bauen , und kann' s nicht hinausführen .
31Oder welcher König will sich begeben in einen Streit wider einen andern König und sitzt nicht zuvor und ratschlagt , ob er könne mit zehntausend begegnen dem, der über ihn kommt mit zwanzigtausend ?
32Wo nicht , so schickt er Botschaft , wenn jener noch ferne ist , und bittet um Frieden .
33Also muß auch ein jeglicher unter euch , der nicht absagt allem , was er hat , kann nicht mein Jünger sein .
34Das Salz ist ein gutes Ding ; wo aber das Salz dumm wird , womit wird man's würzen ?
35Es ist weder auf das Land noch in den Mist nütze , sondern man wird' s wegwerfen . Wer Ohren hat , zu hören , der höre !