Lutherbibel 1912
Lukas 2
1Es begab sich aber zu der Zeit , daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging , daß alle Welt geschätzt würde .
2Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war .
3Und jedermann ging , daß er sich schätzen ließe , ein jeglicher in seine Stadt .
4Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa , aus der Stadt Nazareth , in das jüdische Land zur Stadt Davids , die da heißt Bethlehem , darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war ,
5auf daß er sich schätzen ließe mit Maria , seinem vertrauten Weibe , die ward schwanger .
6Und als sie daselbst waren , kam die Zeit , da sie gebären sollte .
7Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe ; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge .
8Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde .
9Und siehe , des HERRN Engel trat zu ihnen , und die Klarheit des HERRN leuchtete um sie ; und sie fürchteten sich sehr .
10Und der Engel sprach zu ihnen : Fürchtet euch nicht ! siehe , ich verkündige euch große Freude , die allem Volk widerfahren wird ;
11denn euch ist heute der Heiland geboren , welcher ist Christus , der HERR , in der Stadt Davids .
12Und das habt zum Zeichen : ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen .
13Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen , die lobten Gott und sprachen :
14Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen .
15Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren , sprachen die Hirten untereinander : Laßt uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen , die da geschehen ist , die uns der HERR kundgetan hat .
16Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph , dazu das Kind in der Krippe liegen .
17Da sie es aber gesehen hatten , breiteten sie das Wort aus , welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war .
18Und alle , vor die es kam , wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten .
19Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen .
20Und die Hirten kehrten wieder um , priesen und lobten Gott um alles , was sie gehört und gesehen hatten , wie denn zu ihnen gesagt war .
21Und da acht Tage um waren , daß das Kind beschnitten würde , da ward sein Name genannt Jesus , welcher genannt war von dem Engel , ehe denn er in Mutterleibe empfangen ward .
22Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Mose' s kamen , brachten sie ihn gen Jerusalem , auf daß sie ihn darstellten dem HERRN
23( wie denn geschrieben steht in dem Gesetz des HERRN : “ Allerlei männliches , das zum ersten die Mutter bricht , soll dem HERRN geheiligt heißen ”)
24und das sie gäben das Opfer , wie es gesagt ist im Gesetz des HERRN : “Ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben .”
25Und siehe , ein Mensch war zu Jerusalem , mit Namen Simeon ; und derselbe Mensch war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels , und der heilige Geist war in ihm .
26Und ihm war eine Antwort geworden von dem heiligen Geist , er sollte den Tod nicht sehen , er hätte denn zuvor den Christus des HERRN gesehen .
27Und er kam aus Anregen des Geistes in den Tempel . Und da die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten , daß sie für ihn täten , wie man pflegt nach dem Gesetz ,
28da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach :
29HERR , nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren , wie du gesagt hast ;
30denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen ,
31welchen du bereitest hast vor allen Völkern ,
32ein Licht , zu erleuchten die Heiden , und zum Preis deines Volkes Israel .
33Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich des , das von ihm geredet ward .
34Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria , seiner Mutter : Siehe , dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen , dem widersprochen wird
35( und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen ), auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden .
36Und es war eine Prophetin , Hanna , eine Tochter Phanuels , vom Geschlecht Asser ; die war wohl betagt und hatte gelebt sieben Jahre mit ihrem Manne nach ihrer Jungfrauschaft
37und war nun eine Witwe bei vierundachtzig Jahren ; die kam nimmer vom Tempel , diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht .
38Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries den HERRN und redete von ihm zu allen , die da auf die Erlösung zu Jerusalem warteten .
39Und da sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des HERRN , kehrten sie wieder nach Galiläa zu ihrer Stadt Nazareth .
40Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist , voller Weisheit , und Gottes Gnade war bei ihm .
41Und seine Eltern gingen alle Jahre gen Jerusalem auf das Osterfest .
42Und da er zwölf Jahre alt war , gingen sie hinauf gen Jerusalem nach der Gewohnheit des Festes .
43Und da die Tage vollendet waren und sie wieder nach Hause gingen , blieb das Kind Jesus zu Jerusalem , und seine Eltern wußten' s nicht .
44Sie meinten aber , er wäre unter den Gefährten , und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Gefreunden und Bekannten .
45Und da sie ihn nicht fanden , gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn .
46Und es begab sich , nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern , wie er ihnen zuhörte und sie fragte .
47Und alle , die ihm zuhörten , verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antworten .
48Und da sie ihn sahen , entsetzten sie sich . Seine Mutter aber sprach zu ihm : Mein Sohn , warum hast du uns das getan ? Siehe , dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht .
49Und er sprach zu ihnen : Was ist's, daß ihr mich gesucht habt ? Wisset ihr nicht , daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist?
50Und sie verstanden das Wort nicht , das er mit ihnen redete .
51Und er ging mit ihnen hinab und kam gen Nazareth und war ihnen untertan . Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen .
52Und Jesus nahm zu an Weisheit , Alter und Gnade bei Gott und den Menschen .