Lutherbibel 1912
Lukas 22
1Es war aber nahe das Fest der süßen Brote , das da Ostern heißt .
2Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten trachteten , wie sie ihn töteten ; und fürchteten sich vor dem Volk .
3Es war aber der Satanas gefahren in den Judas , genannt Ischariot , der da war aus der Zahl der Zwölf .
4Und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und Hauptleuten , wie er ihn wollte ihnen überantworten .
5Und sie wurden froh und gelobten ihm Geld zu geben .
6Und er versprach es und suchte Gelegenheit , daß er ihn überantwortete ohne Lärmen .
7Es kam nun der Tag der süßen Brote , an welchem man mußte opfern das Osterlamm .
8Und er sandte Petrus und Johannes und sprach : Gehet hin , bereitet uns das Osterlamm , auf daß wir's essen .
9Sie aber sprachen zu ihm : Wo willst du , daß wir's bereiten ?
10Er sprach zu ihnen : Siehe , wenn ihr hineinkommt in die Stadt , wird euch ein Mensch begegnen , der trägt einen Wasserkrug ; folget ihm nach in das Haus , da er hineingeht ,
11und saget zu dem Hausherrn : Der Meister läßt dir sagen : Wo ist die Herberge , darin ich das Osterlamm essen möge mit meinen Jüngern ?
12Und er wird euch einen großen Saal zeigen , der mit Polstern versehen ist; daselbst bereitet es .
13Sie gingen hin und fanden , wie er ihnen gesagt hatte , und bereiteten das Osterlamm .
14Und da die Stunde kam , setzte er sich nieder und die zwölf Apostel mit ihm .
15Und er sprach zu ihnen : Mich hat herzlich verlangt , dies Osterlamm mit euch zu essen , ehe denn ich leide .
16Denn ich sage euch , daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde , bis daß es erfüllet werde im Reich Gottes .
17Und er nahm den Kelch , dankte und sprach : Nehmet ihn und teilet ihn unter euch ;
18denn ich sage euch : Ich werde nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks , bis das Reich Gottes komme .
19Und er nahm das Brot , dankte und brach' s und gab' s ihnen und sprach : Das ist mein Leib , der für euch gegeben wird ; das tut zu meinem Gedächtnis .
20Desgleichen auch den Kelch , nach dem Abendmahl , und sprach : Das ist der Kelch , das neue Testament in meinem Blut , das für euch vergossen wird .
21Doch siehe , die Hand meines Verräters ist mit mir über Tische .
22Denn des Menschen Sohn geht zwar hin , wie es beschlossen ist ; doch weh dem Menschen , durch welchen er verraten wird !
23Und sie fingen an , zu fragen unter sich selbst , welcher es doch wäre unter ihnen , der das tun würde .
24Es erhob sich auch ein Zank unter ihnen , welcher unter ihnen sollte für den Größten gehalten werden .
25Er aber sprach zu ihnen : Die weltlichen Könige herrschen , und die Gewaltigen heißt man gnädige Herren .
26Ihr aber nicht also ! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste , und der Vornehmste wie ein Diener .
27Denn welcher ist größer : Der zu Tische sitzt oder der da dient ? Ist's nicht also, daß der zu Tische sitzt ! Ich aber bin unter euch wie ein Diener .
28Ihr aber seid' s , die ihr beharrt habt bei mir in meinen Anfechtungen .
29Und ich will euch das Reich bescheiden , wie mir' s mein Vater beschieden hat ,
30daß ihr essen und trinken sollt an meinem Tische in meinem Reich und sitzen auf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israels .
31Der HERR aber sprach : Simon , Simon , siehe , der Satanas hat euer begehrt , daß er euch möchte sichten wie den Weizen ;
32ich aber habe für dich gebeten , daß dein Glaube nicht aufhöre . Und wenn du dermaleinst dich bekehrst , so stärke deine Brüder .
33Er sprach aber zu ihm : HERR , ich bin bereit , mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen .
34Er aber sprach : Petrus , ich sage dir : Der Hahn wird heute nicht krähen , ehe denn du dreimal verleugnet hast , daß du mich kennest .
35Und er sprach zu ihnen : So oft ich euch ausgesandt habe ohne Beutel , ohne Tasche und ohne Schuhe , habt ihr auch je Mangel gehabt ? Sie sprachen : Niemals .
36Da sprach er zu ihnen : Aber nun , wer einen Beutel hat , der nehme ihn , desgleichen auch die Tasche ; wer aber nichts hat , verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert .
37Denn ich sage euch : Es muß noch das auch vollendet werden an mir , was geschrieben steht : “Er ist unter die Übeltäter gerechnet .” Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende .
38Sie sprachen aber : HERR , siehe , hier sind zwei Schwerter . Er aber sprach zu ihnen : Es ist genug .
39Und er ging hinaus nach seiner Gewohnheit an den Ölberg . Es folgten ihm aber seine Jünger nach an den Ort.
40Und als er dahin kam , sprach er zu ihnen : Betet , auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet !
41Und er riß sich von ihnen einen Steinwurf weit und kniete nieder , betete
42und sprach : Vater , willst du , so nehme diesen Kelch von mir , doch nicht mein , sondern dein Wille geschehe !
43Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn .
44Und es kam, daß er mit dem Tode rang und betete heftiger . Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen , die fielen auf die Erde .
45Und er stand auf von dem Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafen vor Traurigkeit
46und sprach zu ihnen : Was schlafet ihr ? Stehet auf und betet , auf das ihr nicht in Anfechtung fallet !
47Da er aber noch redete , siehe , da kam die Schar ; und einer von den Zwölfen , genannt Judas , ging vor ihnen her und nahte sich zu Jesu , ihn zu küssen .
48Jesus aber sprach zu ihm : Judas , verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuß ?
49Da aber sahen , die um ihn waren , was da werden wollte , sprachen sie zu ihm : HERR , sollen wir mit dem Schwert drein schlagen ?
50Und einer aus ihnen schlug des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein rechtes Ohr ab .
51Jesus aber antwortete und sprach : Lasset sie doch so machen ! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn .
52Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten , die über ihn gekommen waren : Ihr seid , wie zu einem Mörder , mit Schwertern und mit Stangen ausgegangen .
53Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen , und ihr habt keine Hand an mich gelegt ; aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis .
54Sie griffen ihn aber und führten ihn hin und brachten ihn in des Hohenpriesters Haus . Petrus aber folgte von ferne .
55Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Hof und setzten sich zusammen ; und Petrus setzte sich unter sie .
56Da sah ihn eine Magd sitzen bei dem Licht und sah genau auf ihn und sprach : Dieser war auch mit ihm .
57Er aber verleugnete ihn und sprach : Weib , ich kenne ihn nicht .
58Und über eine kleine Weile sah ihn ein anderer und sprach : Du bist auch deren einer. Petrus aber sprach : Mensch ich bin' s nicht .
59Und über eine Weile, bei einer Stunde , bekräftigte es ein anderer und sprach : Wahrlich dieser war auch mit ihm ; denn er ist ein Galiläer .
60Petrus aber sprach : Mensch , ich weiß nicht , was du sagst . Und alsbald , als er noch redete , krähte der Hahn .
61Und der HERR wandte sich um und sah Petrus an . Und Petrus gedachte an des HERRN Wort , wie er zu ihm gesagt hatte : Ehe denn der Hahn kräht , wirst du mich dreimal verleugnen .
62Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich .
63Die Männer aber , die Jesum hielten , verspotteten ihn und schlugen ihn,
64verdeckten ihn und schlugen ihn ins Angesicht und fragten ihn und sprachen : Weissage , wer ist' s , der dich schlug ?
65Und viele andere Lästerungen sagten sie wider ihn .
66Und als es Tag ward , sammelten sich die Ältesten des Volks , die Hohenpriester und Schriftgelehrten und führten ihn hinauf vor ihren Rat
67und sprachen : Bist du Christus , sage es uns ! Er aber sprach zu ihnen : Sage ich's euch , so glaubt ihr's nicht ;
68frage ich aber , so antwortet ihr nicht und laßt mich doch nicht los .
69Darum von nun an wird des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes .
70Da sprachen sie alle : Bist du denn Gottes Sohn ? Er aber sprach zu ihnen : Ihr sagt es, denn ich bin' s .
71Sie aber sprachen : Was bedürfen wir weiteres Zeugnis ? Wir haben's selbst gehört aus seinem Munde .