Lutherbibel 1912
Lukas 7
1Nachdem er aber vor dem Volk ausgeredet hatte , ging er gen Kapernaum .
2Und eines Hauptmanns Knecht lag todkrank , den er wert hielt .
3Da er aber von Jesu hörte , sandte er die Ältesten der Juden zu ihm und bat ihn , daß er käme und seinen Knecht gesund machte .
4Da sie aber zu Jesu kamen , baten sie ihn mit Fleiß und sprachen : Er ist es wert , daß du ihm das erzeigest ;
5denn er hat unser Volk lieb , und die Schule hat er uns erbaut .
6Jesus aber ging mit ihnen hin . Da sie aber nun nicht ferne von dem Hause waren , sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen : Ach HERR , bemühe dich nicht ; ich bin nicht wert , daß du unter mein Dach gehest ;
7darum habe ich auch mich selbst nicht würdig geachtet , daß ich zu dir käme ; sondern sprich ein Wort , so wird mein Knecht gesund .
8Denn auch ich bin ein Mensch , der Obrigkeit untertan , und habe Kriegsknechte unter mir und spreche zu einem : Gehe hin ! so geht er hin ; und zum andern : Komm her ! so kommt er ; und zu meinem Knecht : Tu das ! so tut er' s .
9Da aber Jesus das hörte , verwunderte er sich über ihn und wandte sich um und sprach zu dem Volk , das ihm nachfolgte : Ich sage euch : Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden !
10Und da die Gesandten wiederum nach Hause kamen , fanden sie den kranken Knecht gesund .
11Und es begab sich darnach , daß er in eine Stadt mit Namen Nain ging ; und seiner Jünger gingen viele mit ihm und viel Volks .
12Als er aber nahe an das Stadttor kam , siehe , da trug man einen Toten heraus , der ein einziger Sohn war seiner Mutter , und sie war eine Witwe ; und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr .
13Und da sie der HERR sah , jammerte ihn derselben , und er sprach zu ihr : Weine nicht !
14Und er trat hinzu und rührte den Sarg an; und die Träger standen . Und er sprach : Jüngling , ich sage dir , stehe auf !
15Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden ; und er gab ihn seiner Mutter .
16Und es kam sie alle eine Furcht an und sie priesen Gott und sprachen : Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden , und Gott hat sein Volk heimgesucht .
17Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegenden Länder .
18Und es verkündigten Johannes seine Jünger das alles . Und er rief zu sich seiner Jünger zwei
19und sandte sie zu Jesu und ließ ihm sagen : Bist du , der da kommen soll , oder sollen wir eines andern warten ?
20Da aber die Männer zu ihm kamen , sprachen sie : Johannes der Täufer hat uns zu dir gesandt und läßt dir sagen : Bist du , der da kommen soll , oder sollen wir eines anderen warten ?
21Zu derselben Stunde aber machte er viele gesund von Seuchen und Plagen und bösen Geistern , und vielen Blinden schenkte er das Gesicht .
22Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen : Gehet hin und verkündiget Johannes , was ihr gesehen und gehört habt : die Blinden sehen , die Lahmen gehen , die Aussätzigen werden rein , die Tauben hören , die Toten stehen auf , den Armen wird das Evangelium gepredigt ;
23und selig ist , wer sich nicht ärgert an mir .
24Da aber die Boten des Johannes hingingen , fing Jesus an , zu reden zu dem Volk von Johannes : Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen ? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das vom Winde bewegt wird ?
25Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen ? Wolltet ihr einen Menschen sehen in weichen Kleidern ? Sehet , die in herrlichen Kleidern und Lüsten leben , die sind an den königlichen Höfen .
26Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen ? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja , ich sage euch , der da mehr ist denn ein Prophet .
27Er ist' s , von dem geschrieben steht : “ Siehe , ich sende meinen Engel vor deinem Angesicht her , der da bereiten soll deinen Weg vor dir ”.
28Denn ich sage euch , daß unter denen, die von Weibern geboren sind, ist kein größerer Prophet denn Johannes der Täufer ; der aber kleiner ist im Reiche Gottes , der ist größer denn er .
29Und alles Volk , das ihn hörte , und die Zöllner gaben Gott recht und ließen sich taufen mit der Taufe des Johannes .
30Aber die Pharisäer und Schriftgelehrten verachteten Gottes Rat wider sich selbst und ließen sich nicht von ihm taufen .
31Aber der HERR sprach : Wem soll ich die Menschen dieses Geschlechts vergleichen , und wem sind sie gleich ?
32Sie sind gleich den Kindern , die auf dem Markte sitzen und rufen gegeneinander und sprechen : Wir haben euch gepfiffen , und ihr habt nicht getanzt ; wir haben euch geklagt , und ihr habt nicht geweint .
33Denn Johannes der Täufer ist gekommen und aß nicht Brot und trank keinen Wein ; so sagt ihr : Er hat den Teufel .
34Des Menschen Sohn ist gekommen , ißt und trinkt ; so sagt ihr : Siehe , der Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer , der Zöllner und Sünder Freund !
35Und die Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von allen ihren Kindern .
36Es bat ihn aber der Pharisäer einer , daß er mit ihm äße . Und er ging hinein in des Pharisäers Haus und setzte sich zu Tisch .
37Und siehe , ein Weib war in der Stadt , die war eine Sünderin . Da die vernahm , daß er zu Tische saß in des Pharisäers Hause , brachte sie ein Glas mit Salbe
38und trat hinten zu seinen Füßen und weinte und fing an , seine Füße zu netzen mit Tränen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen , und küßte seine Füße und salbte sie mit Salbe .
39Da aber das der Pharisäer sah , der ihn geladen hatte , sprach er bei sich selbst und sagte : Wenn dieser ein Prophet wäre , so wüßte er , wer und welch ein Weib das ist, die ihn anrührt ; denn sie ist eine Sünderin .
40Jesus antwortete und sprach zu ihm : Simon , ich habe dir etwas zu sagen . Er aber sprach : Meister , sage an .
41Es hatte ein Gläubiger zwei Schuldner . Einer war schuldig fünfhundert Groschen , der andere fünfzig .
42Da sie aber nicht hatten , zu bezahlen , schenkte er's beiden . Sage an , welcher unter denen wird ihn am meisten lieben ?
43Simon antwortete und sprach : Ich achte , dem er am meisten geschenkt hat . Er aber sprach zu ihm : Du hast recht gerichtet .
44Und er wandte sich zu dem Weibe und sprach zu Simon : Siehest du dies Weib ? Ich bin gekommen in dein Haus ; du hast mir nicht Wasser gegeben zu meinen Füßen ; diese aber hat meine Füße mit Tränen genetzt und mit den Haaren ihres Hauptes getrocknet .
45Du hast mir keinen Kuß gegeben ; diese aber , nachdem sie hereingekommen ist , hat sie nicht abgelassen , meine Füße zu küssen .
46Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt ; sie aber hat meine Füße mit Salbe gesalbt .
47Derhalben sage ich dir : Ihr sind viele Sünden vergeben , denn sie hat viel geliebt ; welchem aber wenig vergeben wird , der liebt wenig .
48Und er sprach zu ihr : Dir sind deine Sünden vergeben .
49Da fingen die an , die mit zu Tische saßen , und sprachen bei sich selbst : Wer ist dieser , der auch Sünden vergibt ?
50Er aber sprach zu dem Weibe : Dein Glaube hat dir geholfen ; gehe hin mit Frieden !