Lutherbibel 1912
Lukas 9
1Er forderte aber die Zwölf zusammen und gab ihnen Gewalt und Macht über alle Teufel und daß sie Seuchen heilen konnten ,
2und sandte sie aus , zu predigen das Reich Gottes und zu heilen die Kranken .
3Und sprach zu ihnen : Ihr sollt nichts mit euch nehmen auf den Weg , weder Stab noch Tasche noch Brot noch Geld ; es soll auch einer nicht zwei Röcke haben .
4Und wo ihr in ein Haus geht , da bleibet , bis ihr von dannen zieht .
5Und welche euch nicht aufnehmen , da gehet aus von derselben Stadt und schüttelt auch den Staub ab von euren Füßen zu einem Zeugnis über sie .
6Und sie gingen hinaus und durchzogen die Märkte , predigten das Evangelium und machten gesund an allen Enden .
7Es kam aber vor Herodes , den Vierfürsten , alles , was durch ihn geschah ; und er ward betreten , dieweil von etlichen gesagt ward ; Johannes ist von den Toten auferstanden ;
8von etlichen aber : Elia ist erschienen ; von etlichen aber : Es ist der alten Propheten einer auferstanden .
9Und Herodes sprach : Johannes , den habe ich enthauptet ; wer ist aber dieser , von dem ich solches höre ? und begehrte ihn zu sehen .
10Und die Apostel kamen wieder und erzählten ihm , wie große Dinge sie getan hatten . Und er nahm sie zu sich und entwich besonders in eine Wüste bei der Stadt , die da heißt Bethsaida .
11Da das Volk des inneward , zog es ihm nach . Und er ließ sie zu sich und sagte ihnen vom Reich Gottes und machte gesund , die es bedurften . Aber der Tag fing an , sich zu neigen .
12Da traten zu ihm die Zwölf und sprachen zu ihm : Laß das Volk von dir , daß sie hingehen in die Märkte umher und in die Dörfer , daß sie Herberge und Speise finden , denn wir sind hier in der Wüste .
13Er aber sprach zu ihnen : Gebt ihr ihnen zu essen . Sie sprachen , wir haben nicht mehr denn fünf Brote und zwei Fische ; es sei denn , daß wir hingehen sollen und Speise kaufen für so großes Volk .
14( Denn es waren bei fünftausend Mann .) Er sprach aber zu seinen Jüngern : Lasset sie sich setzen in Schichten , je fünfzig und fünfzig .
15Und sie taten also , und es setzten sich alle .
16Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf gen Himmel und dankte darüber , brach sie und gab sie den Jüngern , daß sie dem Volk vorlegten .
17Und sie aßen und wurden alle satt ; und wurden aufgehoben , was ihnen übrigblieb von Brocken , zwölf Körbe .
18Und es begab sich , da er allein war und betete und seine Jünger zu ihm traten , fragte er sie und sprach : Wer sagen die Leute , daß ich sei ?
19Sie antworteten und sprachen : Sie sagen, du seist Johannes der Täufer ; etliche aber , du seist Elia ; etliche aber , es sei der alten Propheten einer auferstanden .
20Er aber sprach zu ihnen : Wer saget ihr aber , daß ich sei ? Da antwortete Petrus und sprach : Du bist der Christus Gottes !
21Und er bedrohte sie und gebot , daß sie das niemand sagten ,
22und sprach : Des Menschen Sohn muß noch viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen .
23Da sprach er zu ihnen allen : Wer mir folgen will , der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach .
24Denn wer sein Leben erhalten will , der wird es verlieren ; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen , der wird' s erhalten .
25Und welchen Nutzen hätte der Mensch , ob er die ganze Welt gewönne , und verlöre sich selbst oder beschädigte sich selbst ?
26Wer sich aber mein und meiner Worte schämt , des wird sich des Menschen Sohn auch schämen , wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und seines Vaters und der heiligen Engel .
27Ich sage euch aber wahrlich , daß etliche sind von denen, die hier stehen , die den Tod nicht schmecken werden , bis daß sie das Reich Gottes sehen .
28Und es begab sich nach diesen Reden bei acht Tagen , daß er zu sich nahm Petrus , Johannes und Jakobus und ging auf einen Berg , zu beten .
29Und da er betete , ward die Gestalt seines Angesichts anders , und sein Kleid ward weiß und glänzte .
30Und siehe , zwei Männer redeten mit ihm , welche waren Mose und Elia ;
31die erschienen in Klarheit und redeten von dem Ausgang , welchen er sollte erfüllen zu Jerusalem .
32Petrus aber , und die mit ihm waren , waren voll Schlafs . Da sie aber aufwachten , sahen sie seine Klarheit und die zwei Männer bei ihm stehen .
33Und es begab sich , da die von ihm wichen , sprach Petrus zu Jesu : Meister , hier ist gut sein . Lasset uns drei Hütten machen : dir eine , Mose eine und Elia eine . Und er wußte nicht , was er redete .
34Da er aber solches redete , kam eine Wolke und überschattete sie ; und sie erschraken , da sie die Wolke überzog .
35Und es fiel eine Stimme aus der Wolke , die sprach : Dieser ist mein lieber Sohn ; den sollt ihr hören !
36Und indem solche Stimme geschah , fanden sie Jesum allein . Und sie verschwiegen es und verkündigten niemand in jenen Tagen , was sie gesehen hatten .
37Es begab sich aber den Tag hernach , da sie von dem Berge kamen , kam ihnen entgegen viel Volks .
38Und siehe , ein Mann unter dem Volk rief und sprach : Meister , ich bitte dich , besiehe doch meinen Sohn , denn er ist mein einziger Sohn .
39Siehe , der Geist ergreift ihn , so schreit er alsbald , und reißt ihn , daß er schäumt , und mit Not weicht er von ihm , wenn er ihn gerissen hat .
40Und ich habe deine Jünger gebeten , daß sie ihn austrieben , und sie konnten nicht .
41Da antwortete Jesus und sprach : O du ungläubige und verkehrte Art , wie lange soll ich bei euch sein und euch dulden ? Bringe deinen Sohn her !
42Und da er zu ihm kam , riß ihn der Teufel und zerrte ihn. Jesus aber bedrohte den unsauberen Geist und machte den Knaben gesund und gab ihn seinem Vater wieder .
43Und sie entsetzten sich alle über die Herrlichkeit Gottes . Da sie sich aber alle verwunderten über alles , was er tat , sprach er zu seinen Jüngern :
44Fasset ihr zu euren Ohren diese Rede : Des Menschen Sohn muß überantwortet werden in der Menschen Hände .
45Aber das Wort verstanden sie nicht , und es ward vor ihnen verborgen , daß sie es nicht begriffen . Und sie fürchteten sich , ihn zu fragen um dieses Wort .
46Es kam auch ein Gedanke unter sie , welcher unter ihnen der Größte wäre .
47Da aber Jesus den Gedanken ihres Herzens sah , ergriff er ein Kind und stellte es neben sich
48und sprach zu ihnen : Wer dies Kind aufnimmt in meinem Namen , der nimmt mich auf ; und wer mich aufnimmt , der nimmt den auf , der mich gesandt hat . Welcher aber der Kleinste ist unter euch allen , der wird groß sein .
49Da antwortete Johannes und sprach : Meister , wir sahen einen , der trieb die Teufel aus in deinem Namen ; und wir wehrten ihm , denn er folgt dir nicht mit uns .
50Und Jesus sprach zu ihm : Wehret ihm nicht ; denn wer nicht wider uns ist , der ist für uns .
51Es begab sich aber , da die Zeit erfüllet war , daß er sollte von hinnen genommen werden , wendete er sein Angesicht , stracks gen Jerusalem zu wandeln .
52Und er sandte Boten vor sich hin ; die gingen hin und kamen in einen Markt der Samariter , daß sie ihm Herberge bestellten .
53Und sie nahmen ihn nicht an , darum daß er sein Angesicht gewendet hatte , zu wandeln gen Jerusalem .
54Da aber das seine Jünger Jakobus und Johannes sahen , sprachen sie : HERR , willst du , so wollen wir sagen , daß Feuer vom Himmel falle und verzehre sie , wie Elia tat .
55Jesus aber wandte sich um und bedrohte sie und sprach : Wisset ihr nicht , welches Geistes Kinder ihr seid ?
56Des Menschen Sohn ist nicht gekommen , der Menschen Seelen zu verderben , sondern zu erhalten .
57Und sie gingen in einen anderen Markt . Es begab sich aber , da sie auf dem Wege waren , sprach einer zu ihm : Ich will dir folgen , wo du hin gehst .
58Und Jesus sprach zu ihm : Die Füchse haben Gruben , und die Vögel unter dem Himmel haben Nester ; aber des Menschen Sohn hat nicht , da er sein Haupt hin lege .
59Und er sprach zu einem andern : Folge mir nach ! Der sprach aber : HERR , erlaube mir , daß ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe .
60Aber Jesus sprach zu ihm : Laß die Toten ihre Toten begraben ; gehe du aber hin und verkündige das Reich Gottes !
61Und ein anderer sprach : HERR , ich will dir nachfolgen ; aber erlaube mir zuvor , daß ich einen Abschied mache mit denen, die in meinem Hause sind.
62Jesus aber sprach zu ihm : Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück , der ist nicht geschickt zum Reich Gottes .