Lutherbibel 1912
Markus 14
1Und nach zwei Tagen war Ostern und die Tage der süßen Brote . Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten , wie sie ihn mit List griffen und töteten .
2Sie sprachen aber : Ja nicht auf das Fest , daß nicht ein Aufruhr im Volk werde !
3Und da er zu Bethanien war in Simons , des Aussätzigen , Hause und saß zu Tische , da kam ein Weib , die hatte ein Glas mit ungefälschtem und köstlichem Nardenwasser , und sie zerbrach das Glas und goß es auf sein Haupt .
4Da waren etliche , die wurden unwillig und sprachen : Was soll doch diese Vergeudung ?
5Man könnte das Wasser um mehr denn dreihundert Groschen verkauft haben und es den Armen geben . Und murrten über sie .
6Jesus aber sprach : Laßt sie mit Frieden! Was bekümmert ihr sie ? Sie hat ein gutes Werk an mir getan .
7Ihr habt allezeit Arme bei euch , und wenn ihr wollt , könnt ihr ihnen Gutes tun ; mich aber habt ihr nicht allezeit .
8Sie hat getan , was sie konnte ; sie ist zuvorgekommen , meinen Leib zu salben zu meinem Begräbnis .
9Wahrlich , ich sage euch : Wo dies Evangelium gepredigt wird in aller Welt , da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis , was sie jetzt getan hat .
10Und Judas Ischariot , einer von den Zwölfen , ging hin zu den Hohenpriestern , daß er ihn verriete .
11Da sie das hörten , wurden sie froh und verhießen , ihm Geld zu geben . Und er suchte , wie er ihn füglich verriete .
12Und am ersten Tage der süßen Brote, da man das Osterlamm opferte , sprachen seine Jünger zu ihm : Wo willst du , daß wir hingehen und bereiten , daß du das Osterlamm essest ?
13Und er sandte seiner Jünger zwei und sprach zu ihnen : Gehet hin in die Stadt , und es wird euch ein Mensch begegnen , der trägt einen Krug mit Wasser ; folget ihm nach ,
14und wo er eingeht , da sprechet zu dem Hauswirt : Der Meister läßt dir sagen : Wo ist das Gasthaus , darin ich das Osterlamm esse mit meinen Jüngern ?
15Und er wird euch einen großen Saal zeigen , der mit Polstern versehen und bereit ist; daselbst richtet für uns zu.
16Und die Jünger gingen aus und kamen in die Stadt und fanden' s , wie er ihnen gesagt hatte , und bereiteten das Osterlamm .
17Am Abend aber kam er mit den Zwölfen .
18Und als sie zu Tische saßen und aßen , sprach Jesus : Wahrlich , ich sage euch : Einer unter euch , der mit mir isset , wird mich verraten .
19Und sie wurden traurig und sagten zu ihm , einer nach dem anderen : Bin ich' s ? und der andere : Bin ich's?
20Er antwortete und sprach zu ihnen : Einer aus den Zwölfen , der mit mir in die Schüssel taucht .
21Zwar des Menschen Sohn geht hin , wie von ihm geschrieben steht ; weh aber dem Menschen , durch welchen des Menschen Sohn verraten wird . Es wäre demselben Menschen besser , daß er nie geboren wäre .
22Und indem sie aßen , nahm Jesus das Brot , dankte und brach' s und gab' s ihnen und sprach : Nehmet , esset ; das ist mein Leib .
23Und nahm den Kelch , dankte und gab ihnen den ; und sie tranken alle daraus .
24Und er sprach zu ihnen : Das ist mein Blut des neuen Testamentes , das für viele vergossen wird .
25Wahrlich , ich sage euch , daß ich hinfort nicht trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis auf den Tag , da ich' s neu trinke in dem Reich Gottes .
26Und da sie den Lobgesang gesprochen hatten , gingen sie hinaus an den Ölberg .
27Und Jesus sprach zu ihnen : Ihr werdet euch in dieser Nacht alle an mir ärgern ; denn es steht geschrieben : “Ich werde den Hirten schlagen , und die Schafe werden sich zerstreuen .”
28Wenn ich aber auferstehe , will ich vor euch hingehen nach Galiläa .
29Petrus aber sagte zu ihm : Und wenn sie sich alle ärgerten , so wollte doch ich mich nicht ärgern.
30Und Jesus sprach zu ihm : Wahrlich , ich sage dir : Heute , in dieser Nacht , ehe denn der Hahn zweimal kräht , wirst du mich dreimal verleugnen .
31Er aber redete noch weiter : Ja, wenn ich mit dir auch sterben müßte , wollte ich dich doch nicht verleugnen . Desgleichen sagten sie alle .
32Und sie kamen zu einem Hofe mit Namen Gethsemane . Und er sprach zu seinen Jüngern : Setzet euch hier , bis ich hingehe und bete .
33Und nahm Petrus und Jakobus und Johannes und fing an , zu zittern und zu zagen .
34Und sprach zu ihnen : Meine Seele ist betrübt bis an den Tod ; bleibet hier und wachet !
35Und ging ein wenig weiter , fiel auf die Erde und betete , daß , wenn es möglich wäre , die Stunde vorüberginge ,
36und sprach : Abba , mein Vater , es ist dir alles möglich ; überhebe mich dieses Kelchs ; doch nicht , was ich will , sondern was du willst!
37Und kam und fand sie schlafend und sprach zu Petrus : Simon , schläfst du ? Vermochtest du nicht eine Stunde zu wachen ?
38Wachet und betet , daß ihr nicht in Versuchung fallet ! Der Geist ist willig ; aber das Fleisch ist schwach .
39Und ging wieder hin und betete und sprach dieselben Worte .
40Und kam wieder und fand sie abermals schlafend ; denn ihre Augen waren voll Schlafs , und sie wußten nicht , was sie ihm antworteten .
41Und er kam zum drittenmal und sprach zu ihnen : Ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen ? Es ist genug ; die Stunde ist gekommen . Siehe , des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände .
42Stehet auf , laßt uns gehen . Siehe , der mich verrät , ist nahe !
43Und alsbald , da er noch redete , kam herzu Judas , der Zwölf einer , und eine große Schar mit ihm , mit Schwertern und mit Stangen von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten und Ältesten .
44Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt : Welchen ich küssen werde , der ist' s ; den greifet und führet ihn sicher .
45Und da er kam , trat er alsbald zu ihm und sprach zu ihm: Rabbi , Rabbi! und küßte ihn .
46Die aber legten ihre Hände an ihn und griffen ihn .
47Einer aber von denen , die dabeistanden , zog sein Schwert aus und schlug des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm ein Ohr ab .
48Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen : Ihr seid ausgegangen wie zu einem Mörder mit Schwertern und Stangen , mich zu fangen .
49Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen und habe gelehrt , und ihr habt mich nicht gegriffen , aber auf daß die Schrift erfüllt werde .
50Und die Jünger verließen ihn alle und flohen .
51Und es war ein Jüngling , der folgte ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet auf der bloßen Haut ; und die Jünglinge griffen ihn .
52Er aber ließ die Leinwand fahren und floh bloß von ihnen .
53Und sie führten Jesus zu dem Hohenpriester , dahin zusammengekommen waren alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten .
54Petrus aber folgte ihm nach von ferne bis hinein in des Hohenpriesters Palast ; und er war da und saß bei den Knechten und wärmte sich bei dem Licht .
55Aber die Hohenpriester und der ganze Rat suchten Zeugnis wider Jesum , auf daß sie ihn zum Tode brächten, und fanden nichts .
56Viele gaben falsch Zeugnis wider ihn ; aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein .
57Und etliche standen auf und gaben falsch Zeugnis wider ihn und sprachen :
58Wir haben gehört , daß er sagte : Ich will den Tempel , der mit Händen gemacht ist , abbrechen und in drei Tagen einen anderen bauen , der nicht mit Händen gemacht sei .
59Aber ihr Zeugnis stimmte noch nicht überein .
60Und der Hohepriester stand auf , trat mitten unter sie und fragte Jesum und sprach : Antwortest du nichts zu dem, was diese wider dich zeugen ?
61Er aber schwieg still und antwortete nichts . Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm : Bist du Christus , der Sohn des Hochgelobten ?
62Jesus aber sprach : Ich bin' s ; und ihr werdet sehen des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft und kommen mit des Himmels Wolken .
63Da zerriß der Hohepriester seinen Rock und sprach : Was bedürfen wir weiter Zeugen ?
64Ihr habt gehört die Gotteslästerung . Was dünkt euch ? Sie aber verdammten ihn alle , daß er des Todes schuldig wäre .
65Da fingen an etliche , ihn zu verspeien und zu verdecken sein Angesicht und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen : Weissage uns! Und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht .
66Und Petrus war unten im Hof . Da kam eine von des Hohenpriesters Mägden ;
67und da sie sah Petrus sich wärmen , schaute sie ihn an und sprach : Und du warst auch mit Jesus von Nazareth .
68Er leugnete aber und sprach : Ich kenne ihn nicht , weiß auch nicht , was du sagst . Und er ging hinaus in den Vorhof ; und der Hahn krähte .
69Und die Magd sah ihn und hob abermals an , zu sagen denen, die dabeistanden : Dieser ist deren einer .
70Und er leugnete abermals . Und nach einer kleinen Weile sprachen abermals zu Petrus , die dabeistanden : Wahrlich , du bist deren einer ; denn du bist ein Galiläer , und deine Sprache lautet gleich also .
71Er aber fing an , sich zu verfluchen und zu schwören : Ich kenne den Menschen nicht , von dem ihr sagt .
72Und der Hahn krähte zum andernmal . Da gedachte Petrus an das Wort , das Jesus zu ihm sagte : Ehe der Hahn zweimal kräht , wirst du mich dreimal verleugnen . Und er hob an , zu weinen .