Lutherbibel 1912
Matthäus 11
1Und es begab sich , da Jesus solch Gebot an seine zwölf Jünger vollendet hatte , ging er von da weiter , zu lehren und zu predigen in ihren Städten .
2Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte , sandte er seiner Jünger zwei
3und ließ ihm sagen : Bist du , der da kommen soll , oder sollen wir eines anderen warten?
4Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johannes wieder, was ihr sehet und höret :
5die Blinden sehen und die Lahmen gehen , die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören , die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt ;
6und selig ist , der sich nicht an mir ärgert .
7Da die hingingen , fing Jesus an, zu reden zu dem Volk von Johannes : Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen ? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her bewegt ?
8Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen ? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen ? Siehe , die da weiche Kleider tragen , sind in der Könige Häusern .
9Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen ? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja , ich sage euch , der auch mehr ist denn ein Prophet .
10Denn dieser ist' s , von dem geschrieben steht : “ Siehe , ich sende meinen Engel vor dir her , der deinen Weg vor dir bereiten soll .”
11Wahrlich ich sage euch : Unter allen, die von Weibern geboren sind, ist nicht aufgekommen , der größer sei denn Johannes der Täufer ; der aber der Kleinste ist im Himmelreich , ist größer denn er .
12Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis hierher leidet das Himmelreich Gewalt , und die Gewalt tun , die reißen es an sich .
13Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis auf Johannes .
14Und ( so ihr' s wollt annehmen ) er ist Elia , der da soll zukünftig sein .
15Wer Ohren hat , zu hören , der höre !
16Wem soll ich aber dies Geschlecht vergleichen ? Es ist den Kindlein gleich , die an dem Markt sitzen und rufen gegen ihre Gesellen
17und sprechen : Wir haben euch gepfiffen , und ihr wolltet nicht tanzen ; wir haben euch geklagt , und ihr wolltet nicht weinen .
18Johannes ist gekommen , aß nicht und trank nicht ; so sagen sie : Er hat den Teufel .
19Des Menschen Sohn ist gekommen , ißt und trinkt ; so sagen sie : Siehe , wie ist der Mensch ein Fresser und ein Weinsäufer , der Zöllner und der Sünder Geselle ! Und die Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von ihren Kindern .
20Da fing er an , die Städte zu schelten , in welchen am meisten seiner Taten geschehen waren , und hatten sich doch nicht gebessert :
21Wehe dir Chorazin ! Weh dir , Bethsaida ! Wären solche Taten zu Tyrus und Sidon geschehen , wie bei euch geschehen sind , sie hätten vorzeiten im Sack und in der Asche Buße getan .
22Doch ich sage euch : Es wird Tyrus und Sidon erträglicher gehen am Jüngsten Gericht als euch .
23Und du , Kapernaum , die du bist erhoben bis an den Himmel , du wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werden . Denn so zu Sodom die Taten geschehen wären , die bei euch geschehen sind , sie stände noch heutigestages .
24Doch ich sage euch , es wird dem Sodomer Lande erträglicher gehen am Jüngsten Gericht als dir .
25Zu der Zeit antwortete Jesus und sprach : Ich preise dich , Vater und HERR Himmels und der Erde , daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart .
26Ja , Vater ; denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir .
27Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater . Und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater ; und niemand kennet den Vater denn nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren .
28Kommet her zu mir alle , die ihr mühselig und beladen seid ; ich will euch erquicken .
29Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir ; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig ; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen .
30Denn mein Joch ist sanft , und meine Last ist leicht .