Lutherbibel 1912
Matthäus 22
1Und Jesus antwortete und redete abermals durch Gleichnisse zu ihnen und sprach :
2Das Himmelreich ist gleich einem Könige , der seinem Sohn Hochzeit machte .
3Und sandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen ; und sie wollten nicht kommen .
4Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach : Sagt den Gästen : Siehe , meine Mahlzeit habe ich bereitet , meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles ist bereit ; kommt zur Hochzeit !
5Aber sie verachteten das und gingen hin , einer auf seinen Acker , der andere zu seiner Hantierung ;
6etliche griffen seine Knechte , höhnten sie und töteten sie.
7Da das der König hörte , ward er zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.
8Da sprach er zu seinen Knechten : Die Hochzeit ist zwar bereit , aber die Gäste waren' s nicht wert .
9Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zur Hochzeit , wen ihr findet .
10Und die Knechte gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen , wen sie fanden , Böse und Gute ; und die Tische wurden alle voll .
11Da ging der König hinein , die Gäste zu besehen , und sah allda einen Menschen , der hatte kein hochzeitlich Kleid an;
12und er sprach zu ihm : Freund , wie bist du hereingekommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an ? Er aber verstummte .
13Da sprach der König zu seinen Dienern : Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die Finsternis hinaus ! da wird sein Heulen und Zähneklappen .
14Denn viele sind berufen , aber wenige sind auserwählt .
15Da gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rat , wie sie ihn fingen in seiner Rede .
16Und sandten zu ihm ihre Jünger samt des Herodes Dienern . Und sie sprachen : Meister , wir wissen , daß du wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes recht und du fragst nach niemand ; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen .
17Darum sage uns , was dünkt dich : Ist's recht , daß man dem Kaiser den Zins gebe , oder nicht ?
18Da nun Jesus merkte ihre Schalkheit , sprach er: Ihr Heuchler , was versucht ihr mich ?
19Weiset mir die Zinsmünze ! Und sie reichten ihm einen Groschen dar.
20Und er sprach zu ihnen : Wes ist das Bild und die Überschrift ?
21Sie sprachen zu ihm : Des Kaisers . Da sprach er zu ihnen : So gebet dem Kaiser , was des Kaisers ist , und Gott , was Gottes ist!
22Da sie das hörten , verwunderten sie sich und ließen ihn und gingen davon .
23An dem Tage traten zu ihm die Sadduzäer , die da halten , es sei kein Auferstehen , und fragten ihn
24und sprachen : Meister , Mose hat gesagt : So einer stirbt und hat nicht Kinder , so soll sein Bruder sein Weib freien und seinem Bruder Samen erwecken .
25Nun sind bei uns gewesen sieben Brüder . Der erste freite und starb ; und dieweil er nicht Samen hatte , ließ er sein Weib seinem Bruder ;
26desgleichen der andere und der dritte bis an den siebenten .
27Zuletzt nach allen starb auch das Weib .
28Nun in der Auferstehung , wes Weib wird sie sein unter den sieben ? Sie haben sie ja alle gehabt .
29Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen : Ihr irrt und wisset die Schrift nicht , noch die Kraft Gottes .
30In der Auferstehung werden sie weder freien noch sich freien lassen , sondern sie sind gleichwie die Engel Gottes im Himmel .
31Habt ihr nicht gelesen von der Toten Auferstehung , was euch gesagt ist von Gott , der da spricht :
32“ Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs ”? Gott aber ist nicht ein Gott der Toten , sondern der Lebendigen .
33Und da solches das Volk hörte , entsetzten sie sich über seine Lehre .
34Da aber die Pharisäer hörten , wie er den Sadduzäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich .
35Und einer unter ihnen , ein Schriftgelehrter , versuchte ihn und sprach :
36Meister , welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz ?
37Jesus aber sprach zu ihm : “Du sollst lieben Gott , deinen HERRN , von ganzem Herzen , von ganzer Seele und von ganzem Gemüte .”
38Dies ist das vornehmste und größte Gebot .
39Das andere aber ist ihm gleich ; Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst .
40In diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten .
41Da nun die Pharisäer beieinander waren , fragte sie Jesus
42und sprach : Wie dünkt euch um Christus ? wes Sohn ist er ? Sie sprachen : Davids .
43Er sprach zu ihnen : Wie nennt ihn denn David im Geist einen Herrn , da er sagt :
44“Der HERR hat gesagt zu meinem Herrn : Setze dich zu meiner Rechten , bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße ”?
45So nun David ihn einen Herrn nennt , wie ist er denn sein Sohn ?
46Und niemand konnte ihm ein Wort antworten , und wagte auch niemand von dem Tage an hinfort , ihn zu fragen .