Lutherbibel 1912
Matthäus 24
1Und Jesus ging hinweg von dem Tempel , und seine Jünger traten zu ihm, daß sie ihm zeigten des Tempels Gebäude .
2Jesus aber sprach zu ihnen : Sehet ihr nicht das alles ? Wahrlich , ich sage euch : Es wird hier nicht ein Stein auf dem anderen bleiben , der nicht zerbrochen werde .
3Und als er auf dem Ölberge saß , traten zu ihm seine Jünger besonders und sprachen : Sage uns , wann wird das alles geschehen ? Und welches wird das Zeichen sein deiner Zukunft und des Endes der Welt ?
4Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen : Sehet zu , daß euch nicht jemand verführe .
5Denn es werden viele kommen unter meinem Namen , und sagen : “ Ich bin Christus ” und werden viele verführen .
6Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen ; sehet zu und erschreckt euch nicht . Das muß zum ersten alles geschehen ; aber es ist noch nicht das Ende da.
7Denn es wird sich empören ein Volk wider das andere und ein Königreich gegen das andere , und werden sein Pestilenz und teure Zeit und Erdbeben hin und wieder .
8Da wird sich allererst die Not anheben .
9Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten . Und ihr müßt gehaßt werden um meines Namens willen von allen Völkern .
10Dann werden sich viele ärgern und werden untereinander verraten und werden sich untereinander hassen .
11Und es werden sich viel falsche Propheten erheben und werden viele verführen .
12und dieweil die Ungerechtigkeit wird überhandnehmen , wird die Liebe in vielen erkalten .
13Wer aber beharret bis ans Ende , der wird selig .
14Und es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zu einem Zeugnis über alle Völker , und dann wird das Ende kommen .
15Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung (davon gesagt ist durch den Propheten Daniel ), daß er steht an der heiligen Stätte (wer das liest , der merke darauf !),
16alsdann fliehe auf die Berge , wer im jüdischen Lande ist;
17und wer auf dem Dach ist , der steige nicht hernieder , etwas aus seinem Hause zu holen ;
18und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um , seine Kleider zu holen .
19Weh aber den Schwangeren und Säugerinnen zu der Zeit !
20Bittet aber , daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat .
21Denn es wird alsbald eine große Trübsal sein , wie nicht gewesen ist von Anfang der Welt bisher und wie auch nicht werden wird .
22Und wo diese Tage nicht verkürzt würden , so würde kein Mensch selig ; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt .
23So alsdann jemand zu euch wird sagen : Siehe , hier ist Christus ! oder : da ! so sollt ihr's nicht glauben .
24Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun , daß verführt werden in dem Irrtum ( wo es möglich wäre ) auch die Auserwählten .
25Siehe , ich habe es euch zuvor gesagt .
26Darum , wenn sie zu euch sagen werden : Siehe , er ist in der Wüste ! so gehet nicht hinaus, - siehe , er ist in der Kammer ! so glaubt nicht .
27Denn gleichwie ein Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang , also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes .
28Wo aber ein Aas ist , da sammeln sich die Adler .
29Bald aber nach der Trübsal derselben Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren , und Sterne werden vom Himmel fallen , und die Kräfte der Himmel werden sich bewegen .
30Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel . Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit .
31Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen , und sie werden sammeln seine Auserwählten von den vier Winden , von einem Ende des Himmels zu dem anderen .
32An dem Feigenbaum lernet ein Gleichnis : wenn sein Zweig jetzt saftig wird und Blätter gewinnt , so wißt ihr , daß der Sommer nahe ist.
33Also auch wenn ihr das alles sehet , so wisset , daß es nahe vor der Tür ist .
34Wahrlich ich sage euch : Dies Geschlecht wird nicht vergehen , bis daß dieses alles geschehe .
35Himmel und Erde werden vergehen ; aber meine Worte werden nicht vergehen .
36Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand , auch die Engel nicht im Himmel , sondern allein mein Vater .
37Aber gleichwie es zur Zeit Noah' s war, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes .
38Denn gleichwie sie waren in den Tagen vor der Sintflut , sie aßen , sie tranken , sie freiten und ließen sich freien , bis an den Tag , da Noah zu der Arche einging .
39und achteten' s nicht , bis die Sintflut kam und nahm sie alle dahin , also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes .
40Dann werden zwei auf dem Felde sein ; einer wird angenommen , und der andere wird verlassen werden .
41Zwei werden mahlen auf der Mühle ; eine wird angenommen , und die andere wird verlassen werden .
42Darum wachet , denn ihr wisset nicht , welche Stunde euer HERR kommen wird .
43Das sollt ihr aber wissen : Wenn der Hausvater wüßte , welche Stunde der Dieb kommen wollte , so würde er ja wachen und nicht in sein Haus brechen lassen .
44Darum seid ihr auch bereit ; denn des Menschen Sohn wird kommen zu einer Stunde , da ihr's nicht meinet .
45Welcher ist aber nun ein treuer und kluger Knecht , den der Herr gesetzt hat über sein Gesinde , daß er ihnen zu rechter Zeit Speise gebe ?
46Selig ist der Knecht , wenn sein Herr kommt und findet ihn also tun .
47Wahrlich ich sage euch : Er wird ihn über alle seine Güter setzen .
48So aber jener , der böse Knecht , wird in seinem Herzen sagen : Mein Herr kommt noch lange nicht ,
49und fängt an zu schlagen seine Mitknechte , ißt und trinkt mit den Trunkenen :
50so wird der Herr des Knechtes kommen an dem Tage , des er sich nicht versieht , und zu einer Stunde , die er nicht meint ,
51und wird ihn zerscheitern und wird ihm den Lohn geben mit den Heuchlern : da wird sein Heulen und Zähneklappen .