Lutherbibel 1912
Matthäus 26
1Und es begab sich , da Jesus alle diese Reden vollendet hatte , sprach er zu seinen Jüngern :
2Ihr wisset , daß nach zwei Tagen Ostern wird ; und des Menschen Sohn wird überantwortet werden, daß er gekreuzigt werde .
3Da versammelten sich die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Ältesten im Volk in den Palast des Hohenpriesters , der da hieß Kaiphas ,
4und hielten Rat , wie sie Jesus mit List griffen und töteten .
5Sie sprachen aber : Ja nicht auf das Fest , auf daß nicht ein Aufruhr werde im Volk !
6Da nun Jesus war zu Bethanien im Hause Simons , des Aussätzigen ,
7da trat zu ihm ein Weib , das hatte ein Glas mit köstlichem Wasser und goß es auf sein Haupt , da er zu Tische saß .
8Da das seine Jünger sahen , wurden sie unwillig und sprachen : Wozu diese Vergeudung ?
9Dieses Wasser hätte mögen teuer verkauft und den Armen gegeben werden .
10Da das Jesus merkte , sprach er zu ihnen : Was bekümmert ihr das Weib ? Sie hat ein gutes Werk an mir getan .
11Ihr habt allezeit Arme bei euch ; mich aber habt ihr nicht allezeit .
12Daß sie dies Wasser hat auf meinen Leib gegossen , hat sie getan , daß sie mich zum Grabe bereite.
13Wahrlich ich sage euch : Wo dies Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt , da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis , was sie getan hat .
14Da ging hin der Zwölf einer , mit Namen Judas Ischariot , zu den Hohenpriestern
15und sprach : Was wollt ihr mir geben ? Ich will ihn euch verraten . Und sie boten ihm dreißig Silberlinge .
16Und von dem an suchte er Gelegenheit , daß er ihn verriete .
17Aber am ersten Tag der süßen Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen zu ihm : Wo willst du , daß wir dir bereiten das Osterlamm zu essen ?
18Er sprach : Gehet hin in die Stadt zu einem und sprecht der Meister läßt dir sagen : Meine Zeit ist nahe ; ich will bei dir Ostern halten mit meinen Jüngern .
19Und die Jünger taten wie ihnen Jesus befohlen hatte , und bereiteten das Osterlamm .
20Und am Abend setzte er sich zu Tische mit den Zwölfen .
21Und da sie aßen , sprach er : Wahrlich ich sage euch : Einer unter euch wird mich verraten .
22Und sie wurden sehr betrübt und hoben an , ein jeglicher unter ihnen , und sagten zu ihm : HERR , bin ich' s ?
23Er antwortete und sprach : Der mit der Hand mit mir in die Schüssel tauchte , der wird mich verraten .
24Des Menschen Sohn geht zwar dahin , wie von ihm geschrieben steht ; doch weh dem Menschen , durch welchen des Menschen Sohn verraten wird ! Es wäre ihm besser , daß er nie geboren wäre .
25Da antwortete Judas , der ihn verriet , und sprach : Bin ich' s Rabbi ? Er sprach zu ihm : Du sagst es .
26Da sie aber aßen , nahm Jesus das Brot , dankte und brach' s und gab' s den Jüngern und sprach : Nehmet , esset ; das ist mein Leib .
27Und er nahm den Kelch und dankte , gab ihnen den und sprach : Trinket alle daraus ;
28das ist mein Blut des neuen Testaments , welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden .
29Ich sage euch : Ich werde von nun an nicht mehr von diesen Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag , da ich' s neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich .
30Und da sie den Lobgesang gesprochen hatte , gingen sie hinaus an den Ölberg .
31Da sprach Jesus zu ihnen : In dieser Nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir . Denn es steht geschrieben : “Ich werde den Hirten schlagen , und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen .”
32Wenn ich aber auferstehe , will ich vor euch hingehen nach Galiläa .
33Petrus aber antwortete und sprach zu ihm : Wenn sich auch alle an dir ärgerten , so will ich doch mich nimmermehr ärgern .
34Jesus sprach zu ihm : Wahrlich ich sage dir : In dieser Nacht , ehe der Hahn kräht , wirst du mich dreimal verleugnen .
35Petrus sprach zu ihm : Und wenn ich mit dir sterben müßte , so will ich dich nicht verleugnen . Desgleichen sagten auch alle Jünger .
36Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe , der hieß Gethsemane , und sprach zu seinen Jüngern : Setzet euch hier , bis daß ich dorthin gehe und bete .
37Und nahm zu sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen .
38Da sprach Jesus zu ihnen : Meine Seele ist betrübt bis an den Tod ; bleibet hier und wachet mit mir !
39Und ging hin ein wenig , fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach : Mein Vater , ist' s möglich , so gehe dieser Kelch von mir ; doch nicht , wie ich will , sondern wie du willst!
40Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus : Könnet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen ?
41Wachet und betet , daß ihr nicht in Anfechtung fallet ! Der Geist ist willig ; aber das Fleisch ist schwach .
42Zum andernmal ging er wieder hin, betete und sprach : Mein Vater , ist' s nicht möglich , daß dieser Kelch von mir gehe , ich trinke ihn denn, so geschehe dein Wille !
43Und er kam und fand sie abermals schlafend , und ihre Augen waren voll Schlafs .
44Und er ließ sie und ging abermals hin und betete zum drittenmal und redete dieselben Worte .
45Da kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen : Ach wollt ihr nur schlafen und ruhen ? Siehe , die Stunde ist hier , daß des Menschen Sohn in der Sünder Hände überantwortet wird .
46Stehet auf , laßt uns gehen ! Siehe , er ist da , der mich verrät !
47Und als er noch redete , siehe , da kam Judas , der Zwölf einer, und mit ihm eine große Schar , mit Schwertern und mit Stangen , von den Hohenpriestern und Ältesten des Volks .
48Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt : Welchen ich küssen werde , der ist' s ; den greifet .
49Und alsbald trat er zu Jesus und sprach : Gegrüßet seist du , Rabbi ! und küßte ihn .
50Jesus aber sprach zu ihm : Mein Freund , warum bist du gekommen ? Da traten sie hinzu und legten die Hände an Jesus und griffen ihn .
51Und siehe , einer aus denen, die mit Jesus waren , reckte die Hand aus und zog sein Schwert aus und schlug des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm ein Ohr ab .
52Da sprach Jesus zu ihm ; Stecke dein Schwert an seinen Ort ! denn wer das Schwert nimmt , der soll durchs Schwert umkommen .
53Oder meinst du , daß ich nicht könnte meinen Vater bitten , daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel ?
54Wie würde aber die Schrift erfüllet ? Es muß also gehen .
55Zu der Stunde sprach Jesus zu den Scharen : Ihr seid ausgegangen wie zu einem Mörder , mit Schwertern und Stangen , mich zu fangen . Bin ich doch täglich gesessen bei euch und habe gelehrt im Tempel , und ihr habt mich nicht gegriffen .
56Aber das ist alles geschehen , daß erfüllet würden die Schriften der Propheten . Da verließen ihn die Jünger und flohen .
57Die aber Jesus gegriffen hatten , führten ihn zu dem Hohenpriester Kaiphas , dahin die Schriftgelehrten und Ältesten sich versammelt hatten .
58Petrus aber folgte ihm nach von ferne bis in den Palast des Hohenpriesters und ging hinein und setzte sich zu den Knechten , auf daß er sähe , wo es hinaus wollte.
59Die Hohenpriester aber und die Ältesten und der ganze Rat suchten falsch Zeugnis gegen Jesus , auf daß sie ihn töteten ,
60und fanden keins . Und wiewohl viel falsche Zeugen herzutraten , fanden sie doch keins . Zuletzt traten herzu zwei falsche Zeugen
61und sprachen : Er hat gesagt : Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen ihn bauen .
62Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm : Antwortest du nichts zu dem, was diese wider dich zeugen ?
63Aber Jesus schwieg still . Und der Hohepriester antwortete und sprach zu ihm : Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott , daß du uns sagest , ob du seist Christus , der Sohn Gottes .
64Jesus sprach zu ihm : Du sagst es . Doch ich sage euch : Von nun an wird's geschehen , daß ihr werdet sehen des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels .
65Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach : Er hat Gott gelästert ! Was bedürfen wir weiteres Zeugnis ? Siehe , jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehört .
66Was dünkt euch ? Sie antworteten und sprachen : Er ist des Todes schuldig !
67Da spieen sie aus in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten . Etliche aber schlugen ihn ins Angesicht
68und sprachen : Weissage uns , Christe , wer ist' s , der dich schlug ?
69Petrus aber saß draußen im Hof ; und es trat zu ihm eine Magd und sprach : Und du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa .
70Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach : Ich weiß nicht , was du sagst .
71Als er aber zur Tür hinausging , sah ihn eine andere und sprach zu denen , die da waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth .
72Und er leugnete abermals und schwur dazu : Ich kenne den Menschen nicht .
73Und über eine kleine Weile traten die hinzu , die dastanden , und sprachen zu Petrus : Wahrlich du bist auch einer von denen ; denn deine Sprache verrät dich .
74Da hob er an sich zu verfluchen und zu schwören : Ich kenne diesen Menschen nicht . Uns alsbald krähte der Hahn .
75Da dachte Petrus an die Worte Jesu , da er zu ihm sagte : “ Ehe der Hahn krähen wird , wirst du mich dreimal verleugnen ”, und ging hinaus und weinte bitterlich .