Lutherbibel 1912
Psalmen 90
1Ein Gebet Mose' s , des Mannes Gottes . Herr , Gott, du bist unsre Zuflucht für und für .
2Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden , bist du, Gott , von Ewigkeit zu Ewigkeit ,
3der du die Menschen lässest sterben und sprichst : Kommt wieder , Menschenkinder !
4Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag , der gestern vergangen ist , und wie eine Nachtwache .
5Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom; sie sind wie ein Schlaf , gleichwie ein Gras , das doch bald welk wird ,
6das da frühe blüht und bald welk wird und des Abends abgehauen wird und verdorrt .
7Das macht dein Zorn , daß wir so vergehen , und dein Grimm , daß wir so plötzlich dahinmüssen .
8Denn unsere Missetaten stellst du vor dich, unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht .
9Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn ; wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz .
10Unser Leben währet siebzig Jahre , und wenn's hoch kommt , so sind's achtzig Jahre , und wenn's köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin , als flögen wir davon .
11Wer glaubt aber, daß du so sehr zürnest , und wer fürchtet sich vor solchem deinem Grimm ?
12Lehre uns bedenken , daß wir sterben müssen , auf daß wir klug werden .
13HERR , kehre doch wieder zu uns und sei deinen Knechten gnädig !
14Fülle uns früh mit deiner Gnade , so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang .
15Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest , nachdem wir so lange Unglück leiden .
16Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Ehre ihren Kindern .
17Und der HERR , unser Gott , sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer Hände bei uns; ja, das Werk unsrer Hände wolle er fördern !