Lutherbibel 1912
Hohelied 8
1O, daß du mir gleich einem Bruder wärest , der meiner Mutter Brüste gesogen ! Fände ich dich draußen , so wollte ich dich küssen , und niemand dürfte mich höhnen !
2Ich wollte dich führen und in meiner Mutter Haus bringen , da du mich lehren solltest ; da wollte ich dich tränken mit gewürztem Wein und mit dem Most meiner Granatäpfel .
3Seine Linke liegt unter meinem Haupt , und seine Rechte herzt mich.
4Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems , daß ihr meine Liebe nicht aufweckt noch regt , bis es ihr selbst gefällt .
5Wer ist die, die heraufsteigt von der Wüste und lehnt sich auf ihren Freund ? Unter dem Apfelbaum weckte ich dich ; da ist dein genesen deine Mutter , da ist dein genesen , die dich geboren hat .
6Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz und wie ein Siegel auf deinen Arm . Denn Liebe ist stark wie der Tod , und ihr Eifer ist fest wie die Hölle . Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN,
7daß auch viele Wasser nicht mögen die Liebe auslöschen noch die Ströme sie ertränken . Wenn einer alles Gut in seinem Hause um die Liebe geben wollte , so gölte es alles nichts .
8Unsere Schwester ist klein und hat keine Brüste . Was sollen wir unsrer Schwester tun , wenn man nun um sie werben wird ?
9Ist sie eine Mauer , so wollen wir ein silbernes Bollwerk darauf bauen . Ist sie eine Tür , so wollen wir sie festigen mit Zedernbohlen .
10Ich bin eine Mauer und meine Brüste sind wie Türme . Da bin ich geworden vor seinen Augen , als die Frieden findet .
11Salomo hat einen Weinberg zu Baal- Hamon . Er gab den Weinberg den Hütern , daß ein jeglicher für seine Früchte brächte tausend Silberlinge .
12Mein eigener Weinberg ist vor mir . Dir, Salomo, gebühren tausend , aber zweihundert den Hütern seiner Früchte .
13Die du wohnst in den Gärten , laß mich deine Stimme hören ; die Genossen merken darauf .
14Flieh , mein Freund , und sei gleich einem Reh oder jungen Hirsch auf den Würzbergen !