Lutherbibel 1912
1. Mose 30
1Da Rahel sah , daß sie dem Jakob kein Kind gebar , beneidete sie ihre Schwester und sprach zu Jakob : Schaffe mir Kinder , wo nicht , so sterbe ich .
2Jakob aber ward sehr zornig auf Rahel und sprach : Bin ich doch nicht Gott , der dir deines Leibes Frucht nicht geben will .
3Sie aber sprach : Siehe, da ist meine Magd Bilha ; gehe zu ihr, daß sie auf meinen Schoß gebäre und ich doch durch sie aufgebaut werde .
4Und sie gab ihm also Bilha , ihre Magd , zum Weibe , und Jakob ging zu ihr .
5Also ward Bilha schwanger und gebar Jakob einen Sohn .
6Da sprach Rahel : Gott hat meine Sache gerichtet und meine Stimme erhört und mir einen Sohn gegeben . Darum hieß sie ihn Dan .
7Abermals ward Bilha , Rahels Magd , schwanger und gebar Jakob den andern Sohn .
8Da sprach Rahel : Gott hat es gewandt mit mir und meiner Schwester , und ich werde es ihr zuvortun . Und hieß ihn Naphthali .
9Da nun Lea sah , daß sie aufgehört hatte zu gebären , nahm sie ihre Magd Silpa und gab sie Jakob zum Weibe .
10Also gebar Silpa , Leas Magd , Jakob einen Sohn .
11Da sprach Lea : Rüstig ! Und hieß ihn Gad .
12Darnach gebar Silpa , Leas Magd , Jakob den andern Sohn .
13Da sprach Lea : Wohl mir ! denn mich werden selig preisen die Töchter . Und hieß ihn Asser .
14Ruben ging aus zur Zeit der Weizenernte und fand Liebesäpfel auf dem Felde und brachte sie heim seiner Mutter Lea . Da sprach Rahel zu Lea : Gib mir von den Liebesäpfeln deines Sohnes einen Teil .
15Sie antwortete : Hast du nicht genug , daß du mir meinen Mann genommen hast , und willst auch die Liebesäpfel meines Sohnes nehmen ? Rahel sprach : Wohlan, laß ihn diese Nacht bei dir schlafen um die Liebesäpfel deines Sohnes .
16Da nun Jakob des Abends vom Felde kam , ging ihm Lea hinaus entgegen und sprach : Zu mir sollst du kommen ; denn ich habe dich erkauft um die Liebesäpfel meines Sohnes . Und er schlief die Nacht bei ihr.
17Und Gott erhörte Lea , und sie ward schwanger und gebar Jakob den fünften Sohn
18und sprach Gott hat mir gelohnt , daß ich meine Magd meinem Manne gegeben habe . Und hieß ihn Isaschar .
19Abermals ward Lea schwanger und gebar Jakob den sechsten Sohn ,
20und sprach : Gott hat mich wohl beraten ; nun wird mein Mann doch bei mir wohnen , denn ich habe ihm sechs Söhne geboren . Und hieß ihn Sebulon .
21Darnach gebar sie eine Tochter , die hieß sie Dina .
22Gott gedachte aber an Rahel und erhörte sie und machte sie fruchtbar .
23Da ward sie schwanger und gebar einen Sohn und sprach : Gott hat meine Schmach von mir genommen .
24Und hieß ihn Joseph und sprach : Der HERR wolle mir noch einen Sohn dazugeben !
25Da nun Rahel den Joseph geboren hatte , sprach Jakob zu Laban : Laß mich ziehen und reisen an meinen Ort in mein Land .
26Gib mir meine Weiber und meine Kinder um die ich dir gedient habe , daß ich ziehe ; denn du weißt , wie ich dir gedient habe .
27Laban sprach zu ihm: Laß mich Gnade vor deinen Augen finden . Ich spüre , daß mich der HERR segnet um deinetwillen ;
28bestimme den Lohn , den ich dir geben soll .
29Er aber sprach zu ihm: Du weißt , wie ich dir gedient habe und was du für Vieh hast unter mir.
30Du hattest wenig , ehe ich her kam, nun aber ist's ausgebreitet in die Menge , und der HERR hat dich gesegnet durch meinen Fuß . Und nun, wann soll ich auch mein Haus versorgen ?
31Er aber sprach : Was soll ich dir denn geben ? Jakob sprach : Du sollst mir nichts geben ; sondern so du mir tun willst , was ich sage , so will ich wiederum weiden und hüten deine Schafe .
32Ich will heute durch alle deine Herden gehen und aussondern alle gefleckten und bunten Schafe und alle schwarzen Schafe und die bunten und gefleckten Ziegen . Was nun bunt und gefleckt fallen wird, das soll mein Lohn sein.
33So wird meine Gerechtigkeit zeugen heute oder morgen , wenn es kommt , daß ich meinen Lohn von dir nehmen soll; also daß , was nicht gefleckt oder bunt unter den Ziegen und nicht schwarz sein wird unter den Lämmern , das sei ein Diebstahl bei mir.
34Da sprach Laban : Siehe da, es sei , wie du gesagt hast .
35Und sonderte des Tages die sprenkligen und bunten Böcke und alle gefleckten und bunten Ziegen , wo nur was Weißes daran war, und alles, was schwarz war unter den Lämmern , und tat' s unter die Hand seiner Kinder
36und machte Raum drei Tagereisen weit zwischen sich und Jakob . Also weidete Jakob die übrigen Herden Labans .
37Jakob aber nahm Stäbe von grünen Pappelbäumen , Haseln und Kastanien und schälte weiße Streifen daran, daß an den Stäben das Weiß bloß ward,
38und legte die Stäbe , die er geschält hatte , in die Tränkrinnen vor die Herden , die kommen mußten , zu trinken , daß sie da empfangen sollten , wenn sie zu trinken kämen .
39Also empfingen die Herden über den Stäben und brachten Sprenklinge , Gefleckte und Bunte .
40Da schied Jakob die Lämmer und richtete die Herde mit dem Angesicht gegen die Gefleckten und Schwarzen in der Herde Labans und machte sich eine eigene Herde , die tat er nicht zu der Herde Labans .
41Wenn aber der Lauf der Frühling- Herde war, legte er die Stäbe in die Rinnen vor die Augen der Herde , daß sie über den Stäben empfingen ;
42aber in der Spätlinge Lauf legte er sie nicht hinein. Also wurden die Spätlinge des Laban , aber die Frühlinge des Jakob .
43Daher ward der Mann über die Maßen reich , daß er viele Schafe , Mägde und Knechte , Kamele und Esel hatte.