Lutherbibel 1912
1. Mose 31
1Und es kamen vor ihn die Reden der Kinder Labans , daß sie sprachen : Jakob hat alles Gut unsers Vaters an sich gebracht , und von unsers Vaters Gut hat er solchen Reichtum zuwege gebracht .
2Und Jakob sah an das Angesicht Labans ; und siehe, es war nicht gegen ihn wie gestern und ehegestern .
3Und der HERR sprach zu Jakob : Ziehe wieder in deiner Väter Land und zu deiner Freundschaft ; ich will mit dir sein.
4Da sandte Jakob hin und ließ rufen Rahel und Lea aufs Feld zu seiner Herde
5und sprach zu ihnen: Ich sehe eures Vaters Angesicht , daß es nicht gegen mich ist wie gestern und ehegestern ; aber der Gott meines Vaters ist mit mir gewesen .
6Und ihr wißt , daß ich aus allen meinen Kräften eurem Vater gedient habe .
7Und er hat mich getäuscht und nun zehnmal meinen Lohn verändert ; aber Gott hat ihm nicht gestattet , daß er mir Schaden täte .
8Wenn er sprach : Die Bunten sollen dein Lohn sein, so trug die ganze Herde Bunte . Wenn er aber sprach : Die Sprenkligen sollen dein Lohn sein, so trug die ganze Herde Sprenklinge .
9Also hat Gott die Güter eures Vaters ihm entwandt und mir gegeben .
10Denn wenn die Zeit des Laufs kam, hob ich meine Augen auf und sah im Traum , und siehe, die Böcke , die auf die Herde sprangen , waren sprenklig , gefleckt und bunt .
11Und der Engel Gottes sprach zu mir im Traum : Jakob ! Und ich antwortete : Hier bin ich.
12Er aber sprach : Hebe deine Augen , und siehe , alle Böcke , die auf die Herde springen , sind sprenklig , gefleckt und bunt ; denn ich habe alles gesehen , was dir Laban tut .
13Ich bin der Gott zu Beth- El , da du den Stein gesalbt hast und mir daselbst ein Gelübde getan . Nun mache dich auf und zieh aus diesem Land und zieh wieder in das Land deiner Freundschaft .
14Da antworteten Rahel und Lea und sprachen zu ihm: Wir haben doch kein Teil noch Erbe mehr in unsers Vaters Hause .
15Hat er uns doch gehalten wie die Fremden ; denn er hat uns verkauft und unsern Lohn verzehrt ;
16darum hat Gott unserm Vater entwandt seinen Reichtum zu uns und unsern Kindern . Alles nun, was Gott dir gesagt hat , das tue .
17Also machte sich Jakob auf und lud seine Kinder und Weiber auf Kamele
18und führte weg all sein Vieh und alle seine Habe , die er zu Mesopotamien erworben hatte , daß er käme zu Isaak , seinem Vater , ins Land Kanaan .
19( Laban aber war gegangen sein Herde zu scheren .) Und Rahel stahl ihres Vaters Götzen .
20Also täuschte Jakob den Laban zu Syrien damit, daß er ihm nicht ansagte , daß er floh .
21Also floh er und alles, was sein war, machte sich auf und fuhr über den Strom und richtete sich nach dem Berge Gilead .
22Am dritten Tage ward Laban angesagt , daß Jakob geflohen wäre .
23Und er nahm seine Brüder zu sich und jagte ihm nach sieben Tagereisen und ereilte ihn auf dem Berge Gilead .
24Aber Gott kam zu Laban , dem Syrer , im Traum des Nachts und sprach zu ihm: Hüte dich , daß du mit Jakob nicht anders redest als freundlich .
25Und Laban nahte zu Jakob . Jakob aber hatte seine Hütte aufgeschlagen auf dem Berge ; und Laban mit seinen Brüdern schlug seine Hütte auch auf auf dem Berge Gilead .
26Da sprach Laban zu Jakob : Was hast du getan , daß du mich getäuscht hast und hast meine Töchter entführt , als wenn sie durchs Schwert gefangen wären ?
27Warum bist du heimlich geflohen und hast dich weggestohlen und hast mir's nicht angesagt , daß ich dich hätte geleitet mit Freuden , mit Singen mit Pauken und Harfen ?
28Und hast mich nicht lassen meine Kinder und Töchter küssen ? Nun , du hast töricht getan .
29Und ich hätte wohl so viel Macht , daß ich euch könnte Übles tun ; aber eures Vaters Gott hat gestern zu mir gesagt : Hüte dich , daß du mit Jakob nicht anders als freundlich redest .
30Und weil du denn ja wolltest ziehen und sehntest dich so sehr nach deines Vaters Hause , warum hast du mir meine Götter gestohlen ?
31Jakob antwortete und sprach zu Laban : Ich fürchtete mich und dachte , du würdest deine Töchter von mir reißen .
32Bei welchem du aber deine Götter findest , der sterbe hier vor unsern Brüdern . Suche das Deine bei mir und nimm' s hin. Jakob wußte aber nicht, daß sie Rahel gestohlen hatte .
33Da ging Laban in die Hütten Jakobs und Leas und der beiden Mägde , und fand nichts; und ging aus der Hütte Leas in die Hütte Rahels .
34Da nahm Rahel die Götzen und legte sie unter den Kamelsattel und setzte sich darauf. Laban aber betastete die ganze Hütte und fand nichts.
35Da sprach sie zu ihrem Vater : Mein Herr , zürne mir nicht, denn ich kann nicht aufstehen vor dir, denn es geht mir nach der Frauen Weise . Also fand er die Götzen nicht, wie sehr er suchte .
36Und Jakob ward zornig und schalt Laban und sprach zu ihm : Was habe ich mißgehandelt oder gesündigt , daß du so auf mich erhitzt bist ?
37Du hast allen meinen Hausrat betastet . Was hast du von meinem Hausrat gefunden ? Lege das dar vor meinen und deinen Brüdern , daß sie zwischen uns beiden richten .
38Diese zwanzig Jahre bin ich bei dir gewesen, deine Schafe und Ziegen sind nicht unfruchtbar gewesen ; die Widder deiner Herde habe ich nie gegessen ;
39was die Tiere zerrissen , brachte ich dir nicht, ich mußte es bezahlen ; du fordertest es von meiner Hand , es mochte mir des Tages oder des Nachts gestohlen sein .
40Des Tages verschmachtete ich vor Hitze und des Nachts vor Frost , und kam kein Schlaf in meine Augen .
41Also habe ich diese zwanzig Jahre in deinem Hause gedient , vierzehn um deine Töchter und sechs um deine Herde , und du hast mir meinen Lohn zehnmal verändert .
42Wo nicht der Gott meines Vaters , der Gott Abrahams und die Furcht Isaaks , auf meiner Seite gewesen wäre, du hättest mich leer lassen ziehen . Aber Gott hat mein Elend und meine Mühe angesehen und hat dich gestern gestraft .
43Laban antwortete und sprach zu Jakob : Die Töchter sind meine Töchter , und die Kinder sind meine Kinder , und die Herden sind meine Herden , und alles, was du siehst , ist mein. Was kann ich meinen Töchtern heute oder ihren Kindern tun , die sie geboren haben ?
44So komm nun und laß uns einen Bund machen , ich und du, der ein Zeugnis sei zwischen mir und dir.
45Da nahm Jakob einen Stein und richtete ihn auf zu einem Mal .
46und sprach zu seinen Brüdern : Leset Steine auf ! Und sie nahmen Steine und machten einen Haufen und aßen auf dem Haufen .
47Und Laban hieß ihn Jegar- Sahadutha ; Jakob aber hieß ihn Gilead .
48Da sprach Laban : Der Haufe sei heute Zeuge zwischen mir und dir (daher heißt man ihn Gilead )
49und sei eine Warte ; denn er sprach : Der HERR sehe darein zwischen mir und dir, wenn wir voneinander kommen ,
50wo du meine Töchter bedrückst oder andere Weiber dazunimmst über meine Töchter . Es ist kein Mensch hier mit uns; siehe aber, Gott ist der Zeuge zwischen mir und dir.
51Und Laban sprach weiter zu Jakob : Siehe, das ist der Haufe , und das ist das Mal , das ich aufgerichtet habe zwischen mir und dir.
52Derselbe Haufe sei Zeuge , und das Mal sei auch Zeuge , wenn ich herüberfahre zu dir oder du herüberfährst zu mir über diesen Haufen und dies Mal , zu beschädigen .
53Der Gott Abrahams und der Gott Nahors , der Gott ihres Vaters sei Richter zwischen uns.
54Und Jakob schwur ihm bei der Furcht seines Vaters Isaak . Und Jakob opferte auf dem Berge und lud seine Brüder zum Essen . Und da sie gegessen hatten , blieben sie auf dem Berge über Nacht .
55[32:1] Des Morgens aber stand Laban früh auf , küßte seine Kinder und Töchter und segnete sie und zog hin und kam wieder an seinen Ort .