Lutherbibel 1912
Markus 10
1Und er machte sich auf und kam von dannen an die Örter des jüdischen Landes jenseit des Jordans . Und das Volk ging abermals in Haufen zu ihm , und wie seine Gewohnheit war , lehrte er sie abermals .
2Und die Pharisäer traten zu ihm und fragten ihn , ob ein Mann sich scheiden möge von seinem Weibe ; und versuchten ihn damit.
3Er antwortete aber und sprach : Was hat euch Mose geboten ?
4Sie sprachen ; Mose hat zugelassen , einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden .
5Jesus antwortete und sprach zu ihnen : Um eures Herzens Härtigkeit willen hat er euch solches Gebot geschrieben ;
6aber von Anfang der Kreatur hat sie Gott geschaffen einen Mann und ein Weib .
7Darum wird der Mensch Vater und Mutter verlassen und wird seinem Weibe anhangen ,
8und werden die zwei ein Fleisch sein . So sind sie nun nicht zwei , sondern ein Fleisch .
9Was denn Gott zusammengefügt hat , soll der Mensch nicht scheiden .
10Und daheim fragten ihn abermals seine Jünger darum .
11Und er sprach zu ihnen : Wer sich scheidet von seinem Weibe und freit eine andere , der bricht die Ehe an ihr ;
12und so sich ein Weib scheidet von ihrem Manne und freit einen anderen , die bricht ihre Ehe .
13Und sie brachten Kindlein zu ihm , daß er sie anrührte . Die Jünger aber fuhren die an , die sie trugen .
14Da es aber Jesus sah , ward er unwillig und sprach zu ihnen : Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht ; denn solcher ist das Reich Gottes .
15Wahrlich ich sage euch : Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kindlein , der wird nicht hineinkommen .
16Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie .
17Und da er hinausgegangen war auf den Weg , lief einer herzu , kniete , vor ihn und fragte ihn : Guter Meister , was soll ich tun , daß ich das ewige Leben ererbe ?
18Aber Jesus sprach zu ihm : Was heißest du mich gut ? Niemand ist gut denn der einige Gott .
19Du weißt ja die Gebote wohl: “Du sollst nicht ehebrechen ; du sollst nicht töten ; du sollst nicht stehlen ; du sollst nicht falsch Zeugnis reden ; du sollst niemand täuschen ; ehre Vater und Mutter .”
20Er aber antwortete und sprach zu ihm : Meister , das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf.
21Und Jesus sah ihn an und liebte ihn und sprach zu ihm : Eines fehlt dir . Gehe hin , verkaufe alles , was du hast , und gib' s den Armen , so wirst du einen Schatz im Himmel haben , und komm , folge mir nach und nimm das Kreuz auf dich.
22Er aber ward unmutig über die Rede und ging traurig davon ; denn er hatte viele Güter .
23Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern : Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen !
24Die Jünger aber entsetzten sich über seine Rede . Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen : Liebe Kinder , wie schwer ist' s , daß die , so ihr Vertrauen auf Reichtum setzen, ins Reich Gottes kommen !
25Es ist leichter , daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe , denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme .
26Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander : Wer kann denn selig werden ?
27Jesus aber sah sie an und sprach : Bei den Menschen ist's unmöglich , aber nicht bei Gott ; denn alle Dinge sind möglich bei Gott .
28Da sagte Petrus zu ihm : Siehe , wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt .
29Jesus antwortete und sprach : Wahrlich , ich sage euch : Es ist niemand , so er verläßt Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Weib oder Kind oder Äcker um meinetwillen und um des Evangeliums willen,
30der nicht hundertfältig empfange : jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungen , und in der zukünftigen Welt das ewige Leben .
31Viele aber werden die Letzten sein, die die Ersten sind, und die Ersten sein, die die Letzten sind .
32Sie waren aber auf dem Wege und gingen hinauf gen Jerusalem ; und Jesus ging vor ihnen , und sie entsetzten sich , folgten ihm nach und fürchteten sich . Und Jesus nahm abermals zu sich die Zwölf und sagte ihnen , was ihm widerfahren würde :
33Siehe , wir gehen hinauf gen Jerusalem , und des Menschen Sohn wird überantwortet werden den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ; und sie werden ihn verdammen zum Tode und überantworten den Heiden .
34Die werden ihn verspotten und geißeln und verspeien und töten ; und am dritten Tag wird er auferstehen .
35Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes , die Söhne des Zebedäus , und sprachen : Meister , wir wollen , daß du uns tuest , was wir dich bitten werden .
36Er sprach zu ihnen : Was wollt ihr , daß ich euch tue ?
37Sie sprachen zu ihm : Gib uns , daß wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit .
38Jesus aber sprach zu ihnen : Ihr wisset nicht , was ihr bittet . Könnt ihr den Kelch trinken , den ich trinke , und euch taufen lassen mit der Taufe , mit der ich getauft werde ?
39Sie sprachen zu ihm : Ja, wir können es wohl . Jesus aber sprach zu ihnen : Ihr werdet zwar den Kelch trinken , den ich trinke , und getauft werden mit der Taufe , mit der ich getauft werde ;
40zu sitzen aber zu meiner Rechten und zu meiner Linken stehet mir nicht zu , euch zu geben, sondern welchen es bereitet ist .
41Und da das die Zehn hörten , wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes .
42Aber Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen : Ihr wisset , daß die weltlichen Fürsten herrschen und die Mächtigen unter ihnen haben Gewalt .
43Aber also soll es unter euch nicht sein . Sondern welcher will groß werden unter euch , der soll euer Diener sein ;
44und welcher unter euch will der Vornehmste werden , der soll aller Knecht sein .
45Denn auch des Menschen Sohn ist nicht gekommen , daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zur Bezahlung für viele .
46Und sie kamen gen Jericho . Und da er aus Jericho ging , er und seine Jünger und ein großes Volk , da saß ein Blinder , Bartimäus , des Timäus Sohn , am Wege und bettelte .
47Und da er hörte , daß es Jesus von Nazareth war , fing er an, zu schreien und zu sagen : Jesu , du Sohn Davids , erbarme dich mein !
48Und viele bedrohten ihn , er sollte stillschweigen . Er aber schrie viel mehr : Du Sohn Davids , erbarme dich mein !
49Und Jesus stand still und ließ ihn rufen . Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm : Sei getrost ! stehe auf , er ruft dich !
50Und er warf sein Kleid von sich , stand auf und kam zu Jesu .
51Und Jesus antwortete und sprach zu ihm : Was willst du , daß ich dir tun soll ? Der Blinde sprach zu ihm : Rabbuni , daß ich sehend werde .
52Jesus aber sprach zu ihm : Gehe hin ; dein Glaube hat dir geholfen . Und alsbald ward er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege .