Lutherbibel 1912
Markus 4
1Und er fing abermals an , zu lehren am Meer . Und es versammelte sich viel Volks zu ihm , also daß er mußte in ein Schiff treten und auf dem Wasser sitzen ; und alles Volk stand auf dem Lande am Meer .
2Und er predigte ihnen lange durch Gleichnisse ; und in seiner Predigt sprach er zu ihnen :
3Höret zu ! Siehe , es ging ein Sämann aus , zu säen .
4Und es begab sich , indem er säte , fiel etliches an den Weg ; da kamen die Vögel unter dem Himmel und fraßen' s auf .
5Etliches fiel in das Steinige , wo es nicht viel Erde hatte ; und ging bald auf , darum daß es nicht tiefe Erde hatte .
6Da nun die Sonne aufging , verwelkte es, und dieweil es nicht Wurzel hatte verdorrte es.
7Und etliches fiel unter die Dornen ; und die Dornen wuchsen empor und erstickten' s , und es brachte keine Frucht .
8Und etliches fiel auf ein gutes Land und brachte Frucht , die da zunahm und wuchs ; etliches trug dreißigfältig und etliches sechzigfältig und etliches hundertfältig .
9Und er sprach zu ihnen : Wer Ohren hat , zu hören , der höre !
10Und da er allein war , fragten ihn um dies Gleichnis , die um ihn waren, mitsamt den Zwölfen .
11Und er sprach zu ihnen : Euch ist's gegeben , das Geheimnis des Reiches Gottes zu wissen ; denen aber draußen widerfährt es alles nur durch Gleichnisse ,
12auf daß sie es mit sehenden Augen sehen , und doch nicht erkennen , und mit hörenden Ohren hören , und doch nicht verstehen , auf daß sie sich nicht dermaleinst bekehren und ihre Sünden ihnen vergeben werden .
13Und er sprach zu ihnen : Verstehet ihr dies Gleichnis nicht , wie wollt ihr denn die andern alle verstehen ?
14Der Sämann sät das Wort .
15Diese sind' s aber , die an dem Wege sind: Wo das Wort gesät wird und sie es gehört haben , so kommt alsbald der Satan und nimmt weg das Wort , das in ihr Herz gesät war .
16Also auch die sind' s , bei welchen aufs Steinige gesät ist : wenn sie das Wort gehört haben , nehmen sie es alsbald mit Freuden auf ,
17und haben keine Wurzel in sich , sondern sind wetterwendisch ; wenn sich Trübsal oder Verfolgung um des Wortes willen erhebt , so ärgern sie sich alsbald .
18Und diese sind' s , bei welchen unter die Dornen gesät ist : die das Wort hören ,
19und die Sorgen dieser Welt und der betrügerische Reichtum und viele andere Lüste gehen hinein und ersticken das Wort , und es bleibt ohne Frucht .
20Und diese sind' s , bei welchen auf ein gutes Land gesät ist : die das Wort hören und nehmen's an und bringen Frucht , etliche dreißigfältig und etliche sechzigfältig und etliche hundertfältig .
21Und er sprach zu ihnen : Zündet man auch ein Licht an , daß man es unter einen Scheffel oder unter einen Tisch setze ? Mitnichten , sondern daß man's auf einen Leuchter setze .
22Denn es ist nichts verborgen , das es nicht offenbar werde , und ist nichts Heimliches , das nicht hervorkomme .
23Wer Ohren hat , zu hören , der höre !
24Und er sprach zu ihnen : Sehet zu , was ihr höret ! Mit welcherlei Maß ihr messet , wird man euch wieder messen , und man wird noch zugeben euch , die ihr dies hört .
25Denn wer da hat , dem wird gegeben ; und wer nicht hat , von dem wird man nehmen , auch was er hat .
26Und er sprach : Das Reich Gottes hat sich also , als wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft
27und schläft und steht auf Nacht und Tag ; und der Same geht auf und wächst , daß er' s nicht weiß .
28Denn die Erde bringt von selbst zum ersten das Gras , darnach die Ähren , darnach den vollen Weizen in den Ähren .
29Wenn sie aber die Frucht gebracht hat , so schickt er bald die Sichel hin ; denn die Ernte ist da .
30Und er sprach : Wem wollen wir das Reich Gottes vergleichen , und durch welch Gleichnis wollen wir es vorbilden ?
31Gleichwie ein Senfkorn , wenn das gesät wird aufs Land , so ist's das kleinste unter allen Samen auf Erden ;
32und wenn es gesät ist , so nimmt es zu und wird größer denn alle Kohlkräuter und gewinnt große Zweige , also daß die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können .
33Und durch viele solche Gleichnisse sagte er ihnen das Wort , nach dem sie es hören konnten .
34Und ohne Gleichnis redete er nichts zu ihnen ; aber insonderheit legte er's seinen Jüngern alles aus .
35Und an demselben Tage des Abends sprach er zu ihnen : Laßt uns hinüberfahren .
36Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn , wie er im Schiff war ; und es waren mehr Schiffe bei ihm .
37Und es erhob sich ein großer Windwirbel und warf Wellen in das Schiff , also daß das Schiff voll ward .
38Und er war hinten auf dem Schiff und schlief auf einem Kissen . Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm : Meister , fragst du nichts darnach , daß wir verderben ?
39Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer : Schweig und verstumme ! Und der Wind legte sich , und es ward eine große Stille .
40Und er sprach zu ihnen : Wie seid ihr so furchtsam ? Wie, daß ihr keinen Glauben habt ?
41Und sie fürchteten sich sehr und sprachen untereinander : Wer ist der ? denn Wind und Meer sind ihm gehorsam .