Lutherbibel 1912
Markus 8
1Zu der Zeit , da viel Volks da war , und hatten nichts zu essen , rief Jesus seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen :
2Mich jammert des Volks ; denn sie haben nun drei Tage bei mir beharrt und haben nichts zu essen ;
3und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen , würden sie auf dem Wege verschmachten ; denn etliche sind von ferne gekommen .
4Seine Jünger antworteten ihm : Woher nehmen wir Brot hier in der Wüste , daß wir sie sättigen ?
5Und er fragte sie : Wieviel habt ihr Brote ? Sie sprachen : Sieben .
6Und er gebot dem Volk , daß sie sich auf der Erde lagerten . Und er nahm die sieben Brote und dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern , daß sie dieselben vorlegten ; und sie legten dem Volk vor .
7Und hatten ein wenig Fischlein ; und er dankte und hieß die auch vortragen .
8Sie aßen aber und wurden satt ; und hoben die übrigen Brocken auf , sieben Körbe .
9Und ihrer waren bei viertausend , die da gegessen hatten ; und er ließ sie von sich .
10Und alsbald trat er in ein Schiff mit seinen Jüngern und kam in die Gegend von Dalmanutha .
11Und die Pharisäer gingen heraus und fingen an , sich mit ihm zu befragen , versuchten ihn und begehrten von ihm ein Zeichen vom Himmel .
12Und er seufzte in seinem Geist und sprach : Was sucht doch dies Geschlecht Zeichen ? Wahrlich , ich sage euch : Es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben .
13Und er ließ sie und trat wiederum in das Schiff und fuhr herüber .
14Und sie hatten vergessen , Brot mit sich zu nehmen , und hatten nicht mehr mit sich im Schiff denn ein Brot .
15Und er gebot ihnen und sprach : Schauet zu und sehet euch vor vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes .
16Und sie gedachten hin und her und sprachen untereinander : Das ist's, daß wir nicht Brot haben .
17Und Jesus merkte das und sprach zu ihnen : Was bekümmert ihr euch doch, daß ihr nicht Brot habt ? Vernehmet ihr noch nichts und seid noch nicht verständig ? Habt ihr noch ein erstarrtes Herz in euch ?
18Ihr habt Augen , und sehet nicht , und habt Ohren , und höret nicht , und denket nicht daran ,
19da ich fünf Brote brach unter fünftausend : wie viel Körbe voll Brocken hobt ihr da auf ? Sie sprachen : Zwölf .
20Da ich aber sieben brach unter die viertausend , wieviel Körbe voll Brocken hobt ihr da auf ? Sie sprachen : Sieben .
21Und er sprach zu ihnen : Wie vernehmet ihr denn nichts ?
22Und er kam gen Bethsaida . Und sie brachten zu ihm einen Blinden und baten ihn , daß er ihn anrührte .
23Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus vor den Flecken ; spützte in seine Augen und legte seine Hände auf ihn und fragte ihn , ob er etwas sähe ?
24Und er sah auf und sprach : Ich sehe Menschen gehen , als sähe ich Bäume .
25Darnach legte er abermals die Hände auf seine Augen und hieß ihn abermals sehen ; und er ward wieder zurechtgebracht , daß er alles scharf sehen konnte .
26Und er schickte ihn heim und sprach : Gehe nicht hinein in den Flecken und sage es auch niemand drinnen .
27Und Jesus ging aus mit seinen Jüngern in die Märkte der Stadt Cäsarea Philippi . Und auf dem Wege fragte er seine Jünger und sprach zu ihnen : Wer sagen die Leute , daß ich sei ?
28Sie antworteten : Sie sagen du seiest Johannes der Täufer ; etliche sagen, du seiest Elia ; etliche , du seiest der Propheten einer .
29Und er sprach zu ihnen : Ihr aber , wer sagt ihr , daß ich sei ? Da antwortete Petrus und sprach zu ihm : Du bist Christus !
30Und er bedrohte sie , daß sie niemand von ihm sagen sollten .
31Und er hob an sie zu lehren : Des Menschen Sohn muß viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und über drei Tage auferstehen .
32Und er redete das Wort frei offenbar . Und Petrus nahm ihn zu sich , fing an , ihm zu wehren .
33Er aber wandte sich um und sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach : Gehe hinter mich , du Satan ! denn du meinst nicht , was göttlich , sondern was menschlich ist.
34Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen : Wer mir will nachfolgen , der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach .
35Denn wer sein Leben will behalten , der wird' s verlieren ; und wer sein Leben verliert um meinet- und des Evangeliums willen , der wird' s behalten .
36Was hülfe es dem Menschen , wenn er die ganze Welt gewönne , und nähme an seiner Seele Schaden ?
37Oder was kann der Mensch geben , damit er seine Seele löse .
38Wer sich aber mein und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht , des wird sich auch des Menschen Sohn schämen , wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln .