Lutherbibel 1912
Matthäus 7
1Richtet nicht , auf daß ihr nicht gerichtet werdet .
2Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet , werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet , wird euch gemessen werden .
3Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge , und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge ?
4Oder wie darfst du sagen zu deinem Bruder : Halt , ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen , und siehe , ein Balken ist in deinem Auge ?
5Du Heuchler , zieh am ersten den Balken aus deinem Auge ; darnach siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst !
6Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben , und eure Perlen nicht vor die Säue werfen , auf daß sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen .
7Bittet , so wird euch gegeben ; suchet , so werdet ihr finden ; klopfet an, so wird euch aufgetan .
8Denn wer da bittet , der empfängt ; und wer da sucht , der findet ; und wer da anklopft , dem wird aufgetan .
9Welcher ist unter euch Menschen , so ihn sein Sohn bittet ums Brot , der ihm einen Stein biete ?
10oder , so er ihn bittet um einen Fisch , der ihm eine Schlange biete ?
11So denn ihr , die ihr doch arg seid , könnt dennoch euren Kindern gute Gaben geben , wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen , die ihn bitten !
12Alles nun , was ihr wollt , daß euch die Leute tun sollen , das tut ihr ihnen auch . Das ist das Gesetz und die Propheten .
13Gehet ein durch die enge Pforte . Denn die Pforte ist weit , und der Weg ist breit , der zur Verdammnis abführt ; und ihrer sind viele , die darauf wandeln .
14Und die Pforte ist eng , und der Weg ist schmal , der zum Leben führt ; und wenige sind ihrer , die ihn finden .
15Seht euch vor vor den falschen Propheten , die in Schafskleidern zu euch kommen , inwendig aber sind sie reißende Wölfe .
16An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen . Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln ?
17Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte ; aber ein fauler Baum bringt arge Früchte .
18Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen , und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen .
19Ein jeglicher Baum , der nicht gute Früchte bringt , wird abgehauen und ins Feuer geworfen .
20Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen .
21Es werden nicht alle , die zu mir sagen : HERR , HERR ! ins Himmelreich kommen , sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel .
22Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage : HERR , HERR ! haben wir nicht in deinem Namen geweissagt , haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben , und haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan ?
23Dann werde ich ihnen bekennen : Ich habe euch noch nie erkannt ; weichet alle von mir , ihr Übeltäter !
24Darum , wer diese meine Rede hört und tut sie , den vergleiche ich einem klugen Mann , der sein Haus auf einen Felsen baute .
25Da nun ein Platzregen fiel und ein Gewässer kam und wehten die Winde und stießen an das Haus , fiel es doch nicht ; denn es war auf einen Felsen gegründet .
26Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht , der ist einem törichten Manne gleich , der sein Haus auf den Sand baute .
27Da nun ein Platzregen fiel und kam ein Gewässer und wehten die Winde und stießen an das Haus , da fiel es und tat einen großen Fall .
28Und es begab sich, da Jesus diese Rede vollendet hatte , entsetzte sich das Volk über seine Lehre .
29Denn er predigte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten .