Lutherbibel 1912
Psalmen 74
1Eine Unterweisung Asaphs . Gott , warum verstößest du uns so gar und bist so grimmig zornig über die Schafe deiner Weide ?
2Gedenke an deine Gemeinde , die du vor alters erworben und dir zum Erbteil erlöst hast , an den Berg Zion , darauf du wohnest .
3Hebe deine Schritte zum dem , was so lange wüst liegt . Der Feind hat alles verderbt im Heiligtum .
4Deine Widersacher brüllen in deinen Häusern und setzen ihre Götzen darein .
5Man sieht die Äxte obenher blinken , wie man in einen Wald haut ;
6sie zerhauen alle seine Tafelwerke mit Beil und Barte .
7Sie verbrennen dein Heiligtum ; sie entweihen und werfen zu Boden die Wohnung deines Namens .
8Sie sprechen in ihrem Herzen ; “Laßt uns sie plündern !” Sie verbrennen alle Häuser Gottes im Lande .
9Unsere Zeichen sehen wir nicht, und kein Prophet predigt mehr, und keiner ist bei uns, der weiß , wie lange .
10Ach Gott , wie lange soll der Widersacher schmähen und der Feind deinen Namen so gar verlästern ?
11Warum wendest du deine Hand ab ? Ziehe von deinem Schoß dein Rechte und mache ein Ende .
12Gott ist ja mein König von alters her, der alle Hilfe tut , die auf Erden geschieht.
13Du zertrennst das Meer durch dein Kraft und zerbrichst die Köpfe der Drachen im Wasser .
14Du zerschlägst die Köpfe der Walfische und gibst sie zur Speise dem Volk in der Einöde .
15Du lässest quellen Brunnen und Bäche ; du läßt versiegen starke Ströme .
16Tag und Nacht ist dein; du machst , daß Sonne und Gestirn ihren gewissen Lauf haben .
17Du setzest einem jeglichen Lande seine Grenze ; Sommer und Winter machst du .
18So gedenke doch des, daß der Feind den HERRN schmäht und ein töricht Volk lästert deinen Namen .
19Du wollest nicht dem Tier geben die Seele deiner Turteltaube , und der Herde deiner Elenden nicht so gar vergessen .
20Gedenke an den Bund ; denn das Land ist allenthalben jämmerlich verheert , und die Häuser sind zerrissen .
21Laß den Geringen nicht in Schanden davongehen ; laß die Armen und Elenden rühmen deinen Namen .
22Mache dich auf , Gott , und führe aus deine Sache ; gedenke an die Schmach , die dir täglich von den Toren widerfährt .
23Vergiß nicht des Geschreis deiner Feinde ; das Toben deiner Widersacher wird je länger , je größer .